Die Johannisbeeren.
Zur Sortenkenntnis der Johannisbeeren.
Die Pomologen teilten bisher die Johannisbeersorten nach der Farbe ihrer Beeren in vier Klassen ein: in rote, rosa, weiße und schwarze Sorten. Als weitere Unterscheidungsmerkmale benutzte man die Größe der Beeren, die Länge der Fruchttraube und bei einigen Varietäten auch die Blätter und den Wuchs der Sträucher. Diese Merkmale waren aber, besonders was die Größe der Beeren und Trauben betrifft, durchaus unsichere und von der Kultur, dem Alter der Pflanze, ihrem Standort und von Witterungsverhältnissen abhängig und daher zur Sortenbestimmung nicht verwendbar.
Die zuverlässigsten Sortenmerkmale für unsere Johannisbeeren sind aber ihre Blütenteile. Dies haben die neueren Forschungen ¹) des Professors Janczewski, des bekannten Monographen der Gattung Ribes gezeigt.
Man leitet nach ihm die Kulturformen der Johannisbeeren in ihrer Mehrzahl von drei Johannisbeerarten ab. Früher nahm man bekanntlich nur eine Stammart: Ribes rubrum L. als Stammart der roten, rosa und weißen Sorten an. Janczewski hat nun gefunden, daß die Mehr-— zahl der Formen von R. vulgare Lam. abstammt und nur für eine kleine Anzahl R. rubrum L. in Betracht kommen kann. Die Unterschiede dieser beiden Arten sind:
Ribes vulgare Lam.: Kelchbecher platt, mit fünfeckigem Ringwall. Vaterland: West-Europa. Ribes rubrum L.: Kelchbecher beckenförmig, ohne Ringwall. Vaterland: Nord-Ost-Europa.
Die dritte Stammart ist Ribes petraeum Wulfen mit glockenförmigem Kelchbecher, welche ich 1891 als Stammart der Roten Holländischen nachwies. ²)
Um aber nicht weitläufig zu werden, will ich hier die Einteilung der von Janczewski nach ihrer Abstammung klassifizierten 51 Sorten nur insoweit mitteilen, als es sich um die Sorten handelt, welche hier beschrieben und abgebildet sind.
Es stammen ab u. a.:
1. von Ribes vulgare Lam.
a. mit weißer Frucht und mattgrünem Kelchbecher:
Weiße Holländische.
b. mit roten Früchten und rotbraunem Receptaculum:
Rote Versailler.
¹) Ancétres des Grosseilliers a Grappes par Ed. Janczewski 1909. ²) Möllers Deutsche Gärtnerzeitung 1891, S. 86.


