Rote Triumphbeere. D. P. V. 1896
(Whinhams Industry)
Noch nie hat eine Stachelbeersorte in so kurzer Zeit— in kaum drei Jahrzehnten— eine so allgemeine, ja riesige Verbreitung in allen Beerenobstbau treibenden Ländern gefunden, wie die Rote Triumphbeere. Diese Tatsache ist wohl der beste Beweis für den hohen Wert der Sorte und die beredtste Empfehlung für ihre weitere Anpflanzung. Der besondere Anbauwert der Sorte besteht bekanntlich in dem ungemein raschen Wachstum ihrer Früchtchen bald nach der Blüte und in dem ungemein kräftigen Wuchs, der großen Fruchtbarkeit und Dauer ihres Strauches. Die erste Eigenschaft bietet dem Züchter den großen Vorteil, seine kleinen Stachelbeeren möglichst früh- zeitig zu pflücken und zu besseren Preisen zu verkaufen, als später voll ausgewachsene Früchte, und durch die zweite hat er die sichere Gewähr, dauernd reiche Erträge von seinen Anlagen zu erzielen. Wenn es auch großfrüchtige Stachelbeeren gibt, welche wohlschmeckender und dünn- schaliger als die Rote Triumphbeere sind, so ist diese doch eine recht gute Tafel-, und vor allem eine vielseitig verwertbare Wirtschaftsfrucht. Die Sorte wurde von dem Gärtner Rob. Whinham in Morpeth(Aleery bonks garden, Northumberland) Schottland, etwa im dritten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts gezüchtet. Indes dem Züchter Whinham war es nicht beschieden, den Schatz, welchen seine Stachelbeere barg, zu heben. Erst nach seinem Tode(1858) verstanden es andere, zu richtig gewählter Zeit die Verbreitung der Sorte erfolgreich in die Hand zu nehmen und viele Millionen junger Sträucher in alle Welt zu verkaufen. In Deutschland ist sie Ende der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts vor allem durch Erfurter und Leipziger Pflanzenhandlungen verbreitet worden. Heute findet man sie selbst im kleinsten Baumschulverzeichnis aufgeführt und in fast jedem Beeren- obstgarten angepflanzt. Merkwürdig ist es, daß die Sorte in England, wo sie doch schon längst bekannt war, selbst von Hogg nicht erwähnt wurde.
Strauch äußerst kräftig, von ungewöhnlicher Dauer und von regelmäßiger, reicher Fruchtbar- keit. Die Wurzeln der jüngeren Pflanzen sind auffallend wenig verästelt und wachsen fast senkrecht. Zur Anzucht von Hochstämmen, Cordons und Spalieren wie kaum eine andere Sorte geeignet. Für Hausgärten und Pflanzungen in freien Lagen. Zweige aufrecht; Stacheln 1— 3teilig; Blätter glänzend, meist rundlich, seltener eirundlich, seicht herzförmig, beim Austrieb durch dichten Flaum, auf der Rückseite mit einem grauen Schein, im Herbst gelb und scharlachrot.
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