Das Textbild ist das eines blühenden, 16 jährigen Halbstammes der Champagner-Renette aus dem Provinzial-Obstgarten in Diemitz. Das Bild in der Beilage ist nach einem älteren, im Winter aufgenommenen Baum aus den Freiherrl. v. Friesenschen Anlagen in Rötha angefertigt worden. Beide Bilder lassen den aufrechten, stattlichen Wuchs der Sorte sehr deutlich erkennen. Sie geben das beste Zeugnis dafür, daß wir es hier mit einer Sorte zu tun haben, die wie wenig andere für Straßenpflanzung geeignet ist. Ueber die Ansprüche an die Bodenverhältnisse gehen die Urteile weit auseinander. Während viele die Champagner-Renette für eine genügsame und im allgemeinen anspruchslose Sorte erklären, behaupten andere, daß sie sehr anspruchs- voll sei und einen tiefgründigen und feuchten Boden haben müsse. Sie soll sich in solchem ihr zusagenden Boden allerdings auch zu Riesenbäumen auswachsen. Herr Baumann-Geisenheim erwähnt, daß er im Taunus Bäume der Champagner-Renette stark wie Eichen kenne. Sie scheint sich im dortigen Schieferboden und überhaupt in Süddeutschland mit dem wärmeren Klima besonders wohl zu fühlen. Trockenen Boden verträgt sie jedenfalls nicht. Die Früchte bleiben hier zu klein. Der Hoch- und Halbstamm sind die geeignetsten Baumformen für große Anlagen der Champagner-Renette. Vermöge ihrer kurzen, dicken Triebe gibt sie aber form- vollendete Pyramiden und findet in dieser Form gern dort Verwendung, wo im Liebhabergarten für einen Hochstamm kein Platz zur Verfügung steht, die Sorte aber als Dauerapfel nicht gern entbehrt wird. Sie bildet kurzes Fruchtholz und bekleidet die Leittriebe, ohne daß viel Schnitt nötig wird, ganz regelmäßig. Als Unterlage verdient der Splittapfel gegenüber dem Paradies- apfel den Vorzug.
Die Blüte beginnt spät und ist von sehr langer Dauer.
Das Blatt ist lederartig, fest, gegen Pilze widerstandsfähig, von dunkelgrüner Farbe.
Schlechte Eigenschaften.
Die Champagner-Renette leidet stark an Krebs. Die Bäume erreichen aber trotzdem ein hohes Alter.
Im trockenen Boden bleiben die Früchte zu klein, und die Bäume leiden dort auch an Gipfeldürre.
In feuchter Lage wird über die Frostempfindlichkeit der einjährigen Triebe geklagt.


