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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Weisser Winter-Taffetapfel.

Reifezeit: Dezember bis April.

Name und Heimat:. Der Weiße Winter-Taffetapfel ist eine alte, über ganz Deutschland weit ver- breitete Apfelsorte, deren Heimat nicht festzustellen ist. Im IIlustrierten Handbuch ist er alsWeißer Taffetapfel beschrieben. In Baden führt er den NamenWachsapfel und mit der Champagner Renette gemeinsamWachsrenette,Glasapfel. In Bayern heißt er auchSpiegelapfel und fälschlich Borsdorfer. In Sachsen-MeiningenWeißapfel und im Odergebiet bei CrossenKarthäuser.

Gestalt: Klein bis mittelgroß, 5 ½ 6 cm hoch und 78 em breit, von rundlicher Form, nach dem Kelch und Stiel hin gleichmäßig abgerundet. Die Frucht hat, ähnlich der Champagner Renette, flache Rippen, die sich flach auf der Frucht hinziehen. Unter der glatten Schale des Apfels fühlt man deutlich kleine Erhabenheiten, ähnlich wie Fleischperlen.

Kelch:- Halboffen bis geschlossen, in ziemlich flacher, weiter Einsenkung. Die Kelchblätter berühren sich am Grunde, sind breiter als bei der Champagner Renette und mit der Spitze nach außen gebogen. Feine Falten und Fleischperlen fassen den Kelch ein.

Stiel- Dünn und holzig, 1 ½ 2 cm lang in einer tiefen, ziemlich engen Stielhöhle. Der Stiel ist oft wie eingezwängt. Von Rost ist nur ein Anflug zu spüren.

Schale: Hellgelb, zur Reife etwas leuchtender, aber doch mehr weißlich als die Champagner Renette, auf der Sonnenseite mit freundlichem Rosarot überzogen, das sich bis in die Stielhöhle erstreckt. Punkte und Rostanflüge fehlen fast gänzlich. Unter der Schale befinden sich kleine Fleischperlen, die bewirken, daß die Frucht sich etwas rauh anfühlt.

Fleisch: Weiß, mit gelblichen Gefäßbündeln durchzogen, saftreich und schwach gewürzt, etwas herbweinig.

Kernhaus: Fast geschlossen, ein wenig hohlachsig. Die Kammern sind im Querschnitt sehr schmal und enthalten in der Regel gut entwickelte, rundlich eiförmige Kerne.

Eigenschaften der Frucht.

Der Taffetapfel ist vorwiegend eine Wirtschaftsfrucht, die sich durch lange Haltbarkeit aus- zeichnet. Sein Aussehen ist freundlicher und anziehender als das der ihm ähnlichen Champagner Renette, der er im Geschmack nachsteht. Er wurde früher weit mehr als jetzt geschätzt und wegen seiner Verwendbarkeit zur Weinbereitung in den Apfelweingegenden viel angebaut. Das Bodenseegebiet birgt auch heute noch viele Bäume dieser Sorte. Aber der Anbau geht auch dort zurück, weil die Früchte des Weißen Taffetapfels derartig von Fusikladium befallen werden, daß sie selbst für Mostzwecke oft nicht mehr verwendet werden können. In Mitteldeutschland lauten die Urteile unserer Mitarbeiter günstiger. Man schätzt dort diese Sorte sogar noch als Tafelfrucht, sofern die Ansprüche nicht zu hoch gestellt werden. Die Entwicklung der Früchte ist gleichmäßig, so daß sie, soweit sie vom Schorfbefall verschont bleiben, nicht große Ausfälle gibt. Da die Apfel fest hängen, kann man mit der Ernte, ohne die Gefahr, durch Stürme viel ein- zubüßen, bis Ende Oktober warten. Im Versand sind die Früchte etwas empfindlich und ver- langen eine sorgfältige Verpackung. Der Wert der Früchte ist aber im allgemeinen nicht so hoch, um die dadurch bedingte Verteuerung zu vertragen.

Eigenschaften des Baumes.

Wenn in der vorstehenden Beschreibung manche Ahnlichkeit zwischen der Champagner Renette und dem Winter-Taffetapfel hervorgehoben wurde, so hat diese sofort ein Ende, sobald man den Wuchs dieser Sorten vergleicht. Jeder Zweifel darüber, ob eine Frucht die Champagner

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