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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Pommerscher Krummstiel.

Reifezeit: November bis Februar.

Name und Heimat: In Vorpommern, auf der Insel Rügen und in Mecklenburg ist diese Sorte unter dem NamenKrummstiel oderKrummstengel weit verbreitet; sie ist dort auch entstanden. Im Illustrierten Handbuch ist sie unter dem Namengestreifter Römerapfel beschrieben. Schon im Jahr- gang 1856 der von Oberdieck und Ed. Lucas herausgegebenen Monatsschrift für Pomologie und prak- tischen Obstbau wird die Sorte gerühmt und ihr dort zum erstenmal ihr Name beigelegt.

Gestalt: In der Regel ebenso hoch wie breit, 65 80 mm. Die Früchte sind meist schief gebaut, indem eine von den bis zur Mitte der Frucht deutlich verlaufenden breiten Rippen sich bis zum Stiel hinunter zieht und hier einen starken Wulst bildet, der den Stiel zur Seite drückt. Nach dem Kelch zu verjüngt sich ihre Gestalt, endet aber doch in einer ziemlich flachen Ebene.

Kelch: Geschlossen, bisweilen halboffen, in einer flachen, von Falten umgebenen Einsenkung. Die Rippen treten bei der einen Frucht mehr als bei der anderen deutlich hervor. Kelchblättchen stark wollig.

Stiel: Holzig, dunkelbraun, nicht sehr dick, 2 2 ½ cm lang, fast stets durch eine Fleischwulst gekrümmt, in einer flachen und weiten, strahlenförmig berosteten Stielhöhle.

Schale: Grünlichgelb, später tiefer gelb gefärbt, sonnenwärts stark rot gestreift, wobei die Streifen stark abgesetzt erscheinen, oder ganz rot verwaschen. Die lagerreifen Früchte haben einen auffallend fettigen Ueberzug.

Fleisch: Gelblich-weiß, fein und saftig, ohne besondere Würze. Grüne Gefäßbündel grenzen das Kernhaus deutlich ab.

Kernhaus: Weit offen und hohlachsig, Kammern sehr weit, mit wenigen, aber vollkommen ent- wickelten, langen und flachen Kernen gefüllt.

Eigenschaften der Frucht.

Der pommersche Krummstiel ist ein überall in Pommern, auf Rügen und in Mecklenburg sehr viel verbreiteter, vorzüglicher Wirtschaftsapfel, der auch als Tafelfrucht geschätzt wird. Die schon auf dem Baume leuchtenden Früchte erlangen nach kurzer Lagerzeit so bestechende Farben, daß die gleichmäßigen, großen Früchte schon deshalb Käufer anziehen. Die Oktober- märkte der genannten Landesteile beherrscht der pommersche Krummstiel auch heute noch, trotzdem in den letzten Jahrzehnten manche anderen eingeführten Sorten ihr den Rang abzulaufen suchen. Nur noch den Gravensteiner, dessen Heimat auch die Küstenländer der Ostsee sind, findet man dort so zahlreich und in so alten, schönen, kräftigen Bäumen wie den pommerschen Krummstiel.

Die über 200 und bis 350 gr schweren Früchte sind stets gleichmäßig ausgebildet, flecken- rein, und selbst auf der Schattenseite des Baumes fast ausnahmslos von prächtiger Farbe; sie sind fest, sehr unempfindlich gegen Stoß und Druck und eignen sich deshalb vorzüglich zum Versand. Vom November bis zum Frühling halten sich die Früchte, ohne zu schrumpfen, selbst

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