Kaiser Wilhelm.
Reifezeit: November bis März.
Name und Heimat: Der„Kaiser Wilhelm“ wurde im Jahre 1864 vom Hauptlehrer Hesselmann in Witzhelden im Kreise Solingen aufgefunden. Man vermutet nach den Angaben im IIl. Handbuch, daßz er ein Sämling der Harberts Renette sei. Er ist seit der Pomologen-Versammlung in Potsdam im Jahre 1877 über ganz Deutschland verbreitet und führt nur diesen einen Namen.
Gestalt: Mittelgroß bis groß, 7— 8 cm hoch und etwa 8 cm breit. Die größte Breite liegt fast in der Mitte der Frucht, die nach unten zu stark, nach dem Kelch zu etwas weniger abgeflacht ist. Die Frucht ist mitunter unregelmäßig gebaut.
Kelch: Offen, mit kurzen und breiten, am Grunde etwas getrennten Kelchblättern, die mit ihrer Spitze aufrecht stehen oder ein wenig zurückgeschlagen sind. Kelcheinsenkung ziemlich flach und weit, von Falten umgeben.
Stiel: Ziemlich dünn, etwa 1 ½ cm lang, holzig und braun gefärbt, in einer tiefen, trichterförmigen, stark berosteten Stielhöhle.
Schale: Im baumreifen Zustande grünlich, später gelb und in voller Reife in der Grundfarbe gold- gelb, auf der Lichtseite stark, auf der Schattenseite weniger gerötet. Dunkelrote Streifen, die in einem Jahre mehr, im anderen weniger hervortreten, geben der Frucht ein leuchtendes Aussehen. Rostfiguren von hellbrauner Farbe finden sich außer an Kelch und Stiel auch vereinzelt auf der Frucht selbst vor. Feine Punkte von gleicher Farbe treten selten deutlich hervor.
Fleisch: Gelblich-weiß, abknackend und saftreich, von weinsäuerlichem, ziemlich würzigem Geschmack.
Kernhaus: Ziemlich klein, von länglicher Form, ein wenig hohlachsig; die Kammern sind im Quer-— schnitt schmal und enthalten wenige, lang zugespitzte, dunkelbraune Kerne.
Eigenschaften der Frucht.
Der Kaiser Wilhelm Apfel läßt sich in bezug auf seinen Wert als Tafelfrucht zwischen Harberts Renette und Goldrenette von Blenheim einreihen. Er hat mit diesen Sorten viele ver- wandte Eigenschaften. Wenn man ihn auch nicht zu den erstklassigen Apfeln für die herr- schaftliche Tafel zählen kann, so hat er doch genügend würzigen Geschmack, um bei nicht zu hohen Ansprüchen jedermann zu befriedigen. Es ist schade, daß er seine freundlichen Farben in den meisten Jahren erst nach längerem Lagern erhält und deshalb nicht gleich vom Baum weg vorteilhaft abzusetzen ist. Wer ausreichende Einrichtungen für die längere Aufbewahrung seines Obstes besitzt, wird ihn um die Weihnachtszeit zu lohnenden Preisen an den Mann bringen. Dann ist er ein wertvoller Marktapfel.
Die Ernte sollte nicht vor Mitte Oktober vorgenommen werden.
Die Frucht ist fest im Fleisch und unempfindlich gegen Druckflecke, so daß sie beim Ver- sand keine peinliche Verpackung erfordert, die bei vielen anderen Sorten einen Preisaufschlag zur Folge hat. Sie sitzt auch fest am Baum und gibt bei der Ernte wenig Ausfall. Zu Haus- haltungszwecken findet sie überall, wo man sie kennt, gern Verwendung. Sie ist aber, abgesehen von einigen Bezirken am Niederrhein, in größeren Pflanzungen bisher wenig vertreten, so daß
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