Eigenschaften des Baumes.
Die Harberts Renette gehört zu den am stärksten wachsenden Sorten. In der Baumschule erreichen schon einjährige Veredlungen mitunter Kronenhöhe. Sie wird deshalb oft als Stammbildner für Sorten schwachen Wachstums, die der Zwischenveredlung bedürfen, benutzt. Die Verzweigung der einjährigen Triebe ist trotz des andauernden starken Wuchses befriedigend, aber die Stämme bleiben oben meist ebenso stark wie unten und sie werden leicht, wenn auch nicht in dem Maße wie der Schöne von Boskoop, dadurch vom Winde zur Seite geneigt.
Das junge Holz hat eine schwarzgraue Färbung, die Blätter sind dunkelgrün gefärbt, gesund und widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten.
Die junge Krone muß mehrere Jahre zurückgeschnitten werden, damit sie nicht von vorn- herein nach den Seiten zu breit auslegt. Wenn dies geschieht, dann bildet sie einen schönen, straffen Kronenbau und lässt sich für nicht zu schmale Straßen sehr gut als Chausseebaum ver-— wenden. In der Provinz Sachsen sind viele, auch neuangelegte Straßen mit dieser Sorte bepflanzt.
Das Textbild zeigt eine 6 jährige Pflanzung an der Strecke Westergeln-Egeln.
Im Alter nimmt die Harberts Renette eine breit- oder auch hochkugelige Porm an und macht unter passenden Bodenverhältnissen Kronen von 12 und noch mehr m Durchmesser. Sie ist eine Hochstammsorte. Für Formobstanlagen ist ihr Wuchs zu stark und ihre Tragbarkeit setzt zu spät ein. Man erntet von gesunden Hochstämmen auch schon sehr große Früchte, so daß die Veredlung auf schwach wachsender Unterlage überflüssig ist.
Harberts Renette liebt einen schweren, mineralstoffreichen Boden. Dort wächst sie sich zu riesenhaften Bäumen aus, die oft Jahresernten von 6—8 Zentnern bringen. Aber auch im leichteren, ja sogar im feuchten Sandboden kann man gesunde Bäume dieser Sorte antreffen. In Süd- und Westdeutschland scheint sie weniger gut zu gedeihen, dort hat sie auch keine weite Verbreitung gefunden. Trockene Wärme sagt ihr scheinbar nicht zu und beeinträchtigt ihren Geschmack. Im leichten, trocknen Boden und an Stellen, die hohes Grundwasser haben, leidet sie sehr unter der Stippigkeit.


