Für die Erziehung streng geformter Pyramiden eignet sich die Blenheim ausgezeichnet. Die Leitäste bilden zum Mitteltrieb den vorschriftsmäßigen Winkel, ohne daß Sperrhölzer ver- wendet zu werden brauchen und bekleiden sich bei entsprechender Nachhilfe durch den Schnitt regelrecht mit kurzem Fruchtholz.
Das von Kraft strotzende Blatt leistet den Angriffen pflanzlicher und tierischer Feinde genügenden Widerstand.
Die Hochstammkrone entwickelt sich fast ohne Schnitt zu einem stattlichen, breitkugeligen Baum. Die anfangs breit auslegenden Aste nehmen bald eine aufrechte Richtung an, da sie fast niemals durch übermäßigen Fruchtbehang abwärts gezogen werden. Die Beilage zeigt dies sehr deutlich an einem in dem Provinzial-Obstgarten zu Diemitz stehenden Baum. Die Krone baut sich locker auf und bildet wenig feine Verästelung. Das Textbild gibt einen weniger gepflegten Baum an der Landstraße in Bischleben wieder.
Die Goldrenette v. Blenheim muß leider als ein unregelmäßiger und selbst als ein fauler Träger bezeichnet werden, der in den seltensten Fällen seinen Platz und die auf ihn verwendete Arbeit bezahlt macht. Weder als Hoch- oder Halbstamm, noch als Buschbaum und noch viel weniger als Formbaum bringt sie reiche Ernten. Die hohen Preise, die für ihre Früchte erzielt werden, sind immer noch zu gering, als daß mit einem Uberschuß in einer Erwerbsobstanlage bei dieser Sorte gerechnet werden könnte. Sie bleibt deshalb nur eine Sorte für Liebhaber, die sich mit ihren wenigen Früchten begnügen. Daß diese sich vollkommen entwickeln, ist bei der Kraft, die zu ihrem Ausbau zur Verfügung steht, kein Wunder. Selbst bei bester Pflege versagt die Goldrenette v. Blenheim. Im Provinzial-Obstgarten zu Diemitz stand eine Reihe Spaliere dieser Sorte, die in 15 Jahren kaum eine Frucht brachten; sie mußte deshalb mit einer dankbareren Sorte umgepfropft werden. Wenn sie für Formobstanlagen verwendet werden soll, ist unbedingt die Paradiesunterlage zu wählen.
Die Goldrenette v. Blenheim ist anspruchsvoll an den Boden und an die Lage. Kräftiger Lehmboden mit Mergel im Untergrund oder sandiger Tonboden scheint ihr am besten zuzusagen.
Einige unserer Mitarbeiter fällen nicht so ungünstige Urteile über die Erträge der Blen- heim. Da es sicherlich von allgemeinem Interesse ist, zu erfahren, wo die Kulturen als lohnend bezeichnet werden, so seien nachstehend einige uns bekannt gegebene, ertragreiche Pflanzungen der Goldrenette v. Blenheim genannt: Die Marschgegenden Holsteins, der Glauchauer Bezirk des Königreichs Sachsen, das Erzgebirge, die Sornziger Obstanlagen, der Camburger und Naumburger Bezirk der Provinz Sachsen, Hanau, das Obstgut Schloß Naumburg, der Aueboden der Insel Langenau, Unterfranken, das Herzogtum Coburg und einzelne Orte am Bodensee.
An diesen Stellen sollte die Goldrenette v. Blenheim viel mehr angepflanzt werden, um die Nachfrage nach Früchten dieser Sorte decken zu können.
Schlechte Eigenschaften.
Es ist bereits erwähnt, daß die undankbare Tragbarkeit und die Neigung zur Stippigkeit die Goldrenette v. Blenheim für den allgemeinen Anbau nicht empfohlen werden kann.
Aus Karlstadt, Pommern und Gotha wird außerdem über die Frostempfindlichkeit der Sorte geklagt.


