Goldrenette v. Blenheim.
Reifezeit: Ende November bis April.
Nameèe und Heimat: Die Goldrenette v. Blenheim ist englischen Ursprungs und wurde in Blen— neim, dem Landsitz des Herzogs v. Marlborough in Oxfordshire anfangs des 19. Jahrhunderts aufgefun- den. In England erlangte sie große Verbreitung, und auch bald wurde sie in Deutschland bekannt. „Goldrenette v. Blenheim“ oder kurz„Goldrenette“ sind fast die einzigen Namen, unter denen sie ge- führt wird. Hie und da hört man auch noch die Bezeichnung„Blenheim Pepping“.
Gestalt. Groß bis sehr groß, 8 cm breit, 6—7 cm hoch, regelmäßig und plattrund gebaut. Größter Durchmesser fast in der Mitte der Frucht, nach dem Stiel zu sehr breit, aber auch oberwärts breit ab- geflacht, ohne Rippen, ganz glatt geformt.
Kelch: Weit offen, mit breiten, am Grunde getrennten, nach auswärts umgeschlagenen oder abge- stutzten, grünwolligen Kelchblättern. Kelcheinsenkung sehr weit und schüsselförmig, von wenig auf- fälligen Falten umgeben. Die Kelchhöhle hat meist— ähnlich wie bei der Goldparmäne— etwas grün- lichen Anhauch und ist mit feinem Rostanflug— etwas schwächer als auf der farbigen Abbildung— umgeben.
Stiel: Dick und kurz, selten mehr als 1 em, in einer engen aber flachen, strahlenförmig graugrün berosteten Stielhöhle.
Schale: Grünlich gelb, zur Reifezeit goldgelb, glatt, aber wenig glänzend. Auf der Sonnenseite freundlich gerötet. Die roten, scharf abgesetzten Streifen ziehen sich mitunter auch in der unteren Hälfte der Frucht auf die Schattenseite hinüber. Feine, vereinzelt zerstreute Punkte treten nicht sehr hervor.
Fleisch: Gelblichweiß, mit schwachrötlichem Anflug, zuerst abknackend, später mürbe, von reicher Saftfülle und sehr würzigem, renettenartigem Geschmack.
Kernhaus: Breitzwiebelförmig, meist offen und hohlachsig, mitunter auch geschlossen. Kammern geräumig, mit länglich zugespitzten, oft unvollkommenen Kernen angefüllt.
Eigenschaften der Frucht.
Die Goldrenette v. Blenheim zählt zu den allerwertvollsten Tafeläpfeln, die nicht nur durch ihre Gleichmäßigkeit und Größe jedermann bestechen, sondern auch durch ihren würzigen, weinsäuerlichen Geschmack gegenüber vielen anderen reichlicher süßen Sorten eine sehr will-— kommene Abwechslung allen denen bieten, die an täglichen Obstgenuß gewöhnt sind. Sie ist eine Marktsorte allerersten Ranges, die stets hohe Preise erzielt. Die Früchte sind fest im Fleisch, unempfindlich in der Schale und bleiben bei später Ernte— Mitte Oktober— auf dem Lager frisch bis ins späte Frühjahr hinein. Sie haben aber, fast noch mehr als die Harberts Renette, den üblen Fehler, daß sie, besonders bei einseitiger Stickstoff-(Jauche-) Düngung, stark stippig werden. Abgesehen von diesen Stippen sind die Früchte stets frei von Flecken, durch die gerade die edelsten Apfel so häufig entstellt werden. Schöne„Goldrenetten v. Blenheim“ sind stets eine wirkliche Zierde jeder Tafel.
Die Früchte der Blenheimrenette hängen nicht sehr fest am Baum und bedürfen bei ihrer Größe einer gegen Sturm geschützten Lage.
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