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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Bismarckapfel.

Reifezeit: Oktober bis März.

Namèe und Heimat: Der Bismarckapfel wurde in den 1870 er Jahren von Neuseeland nach Eng- land gebracht und im Jahre 1888 durch den Hofgärtner Fießer, Baden-Baden, in dem dortigen Hofgarten zuerst angepflanzt. Er ist überall nur unter diesem einen Namen verbreitet. Unter dem NamenFürst Bismarck ist noch ein Apfel vorhanden, der mit unserer Sorte nichts gemein hat.

Gestalt: Groß bis sehr groß, 9 12 cm breit, 810 cm hoch, demKaiser Alexander ähnlich, flachrund, von gleichmäßiger Form, nach dem Kelch hin stumpf zugespitzt, und oben viel gerippter und faltiger als der Kaiser Alexander, welcher meist glatt gebaut ist.

Kelch: Halboffen oder geschlossen, ziemlich großblättrig, in weiter und tiefer, mit deutlichen Rippen eingefaßter Einsenkung.

Stiel- In der Regel kurz, manchmal auch lang, sehr wechselnd. Stielhöhle trichterförmig, teils be- rostet, teils frei von Rost.

Schale: Im baumreifen Zustande grünlichgelb, auf dem Lager leuchtender. Sonnenseite lebhaft rot gefärbt. Die Röte erscheint streifig und überzieht oft mehr als die Hälfte der ganzen Frucht; die Streifen sind entweder scharf abgesetzt oder verlaufen flammig auf der Sonnenseite. Rost und Punkte sehr selten. Ein feiner Duft liegt oft über der roten Grundfarbe ausgebreitet, nimmt aber niemals die Dichtigkeit wie beim Kaiser Alexander an.

Fleisch: Weiß, um das Kernhaus herum grünlichweiß, etwas grob und mürbe, saftreich, aber säuer- lich und arm an Würze. Die reife Frucht hat einen angenehmen, etwas an Veilchen erinnernden Duft.

Kernhaus: Klein und meist geschlossen, mit vielen, hellbraunen Kernen gefüllt.

Eigenschaften der Frucht.

Es gibt keine Sorte, welche mit solchen Anpreisungen in die Welt trat, wie der Bismarck- apfel. Dazu hat einmal der große Name beigetragen, der vermuten ließ, daß man es mit be- sonders hervorragenden Eigenschaften bei dieser Sorte zu tun habe, zum anderen das Hervor- heben der Eigenschaft, daß die einjährigen Ruten des Bismarckapfels sich voll und in dem Maße wie bis dahin keine andere Sorte mit Früchten besetzen. Wenn bei irgend einer Sorte von einer ungehöõrigen Benennung gesprochen werden kann, so ist dies beim Bismarckapfel der Fall. Wir Deutsche sehen in Bismarck die deutsche Heldengestalt, die Verkörperung deutscher Kraft, die Vereinigung aller Eigenschaften deutschen Mannestums, die wir als die höchsten und vollkommensten schätzen. Wenn wir demgegenüber uns fragen, was der Bismarckapfel an Eigenschaften besitzt, die dazu berechtigen, ihm den Namen unseres wahrhaft größten Deutschen zu verleihen, so finden wir ein nur recht bescheidenes Maß. Ihm fehlen viele wirklich rühmens- werte Eigenschaften. Er hat wohl äußerlich ansprechende Farben und eine ansehnliche Größe. Hierdurch fällt er auf den Obstausstellungen und in den Obstverkaufsläden ins Auge. Auch als ein Lguter Wirtschaftsapfel darf er bezeichnet werden; aber sein Wert als Tafelapfel ist sehr gering. Die Säure tritt beim Verspeisen des Apfels viel zu stark hervor. Man stellt beim Obstessen

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