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Roter Herbst-Kalvill.
Reifezeit: Oktober bis November.
Namèe und Heimat: Der Rote Herbst-Kalvill ist eine vielverbreitete, altbekannte Sorte, die unter den verschiedensten Namen vorkommt.„Himbeerapfel“ und„Erdbeerapfel“ nennt man ihn in Holstein, Pom- mern, Brandenburg, Hannover, Sachsen, Gotha, Baden, Bayern und Ostpreußen,„Kirschapfel“ in Schlesien, „Brautapfel“ und„Flambaux“ im Rheinland,„Rosenapfel“ im Unterelsaß und Baden,„Roter Kardinal“ in Thüringen,„Blutapfel“ in Westfalen,„Edelkönig“ und„Dörroden“— durch und durch roter— in Ost- friesland,„Fürstenblut“ in Alsen,„„Roter Paradiesapfel“ in Heidelberg und Mosbach,„Jungfernapfel“ in Gotha.
Gestalt: Mittelgroß bis groß, 8—9 cm breit und 7—8 cm hoch, unregelmäßzig gebaut, von aus- gesprochener Kalvillform. Starke Rippen, die am Kelch einsetzen und sich über die ganze Frucht erstrecken, lassen den Querschnitt ganz eckig erscheinen. Die farbige Abbildung zeigt dies deutlich.
Kelch: Halboffen bis geschlossen, in einer flachen, geräumigen Einsenkung. Die Kelchblättchen sind auffallend breit und abgestumpft und tragen einen weiß-wolligen Ueberzug, der mitunter auch auf die Kelchhöhle übergeht.
Stiel- 2 ½ cm lang und ziemlich dünn, auf einer Seite rot gefärbt, in einer strahlenförmig be- rosteten, engen Stielhöhle.
Schale: Lebhaft karmoisinrot gefärbt, an der Sonnenseite bei manchen Früchten— sobald sie die Lagerreife erlangt haben— ins Schwarzrote übergehend. An Schattenfrüchten kommt mitunter eine grün- liche Grundfarbe mit streifigem Rot zum Vorschein. Große, hellumrandete Punkte heben sich von der roten Grundfarbe sehr vorteilhaft ab. Schon im baumreifen Zustande sind die Apfel von einer auffallend fettigen Wachsschicht überzogen, die bei lagerreifen Früchten derart zunimmt, daß sie, auf weißes Papier gelegt, förmliche Fettabdrücke hinterläßt.
Fleisch: Bis zum Kernhaus sehr auffallend mit roten Adern durchzogen, so daß es fast blutrot marmoriert erscheint. Innerhalb des Kernhauses ist es weiß. In manchen Bodenverhältnissen tritt die rote Fleischfärbung viel weniger hervor. Auf der farbigen Abbildung ist die Fleischfarbe etwas über- trieben rot. Der Geschmack des saftigen, mürben Fleisches erinnert zuweilen etwas an Himbeeren, daher auch der Name„Himbeerapfel“. In der Vollreife tritt auch etwas Duft hervor.
Kernhaus: Sehr groß und stets hohlachsig. Die geräumigen Kammern sind reich mit länglichen, spitz auslaufenden und vollkommen entwickelten Kernen gefüllt, die im Kernhause lose lagern und beim Schütteln des Apfels klapperndes Geräusch erzeugen.
Eigenschaften der Frucht.
Die ganz eigenartige, leuchtend-rote Frucht hat schon von jeher dem Roten Herbst-Kalvill Liebhaber gewonnen, so daß er fast allenthalben in den Hausgärten Aufnahme gefunden hat. Dazu kommt die rote Färbung des Fleisches, wie sie keiner andern Apfelsorte eigen ist, die ebenfalls den Roten Herbst-Kalvill als etwas ganz Besonderes kennzeichnet. Er ist auf den Märkten, solange er in vollkommener Gestalt in den Handel kommt, sehr begehrt. Das Fusi- kladium entstellt die Früchte allerdings manchmal bis zur Unkenntlichkeit, und die Gleich- mäßigkeit der Früchte läßt gleichfalls sehr zu wünschen übrig. Die Früchte sitzen nicht fest und verlangen Schutz gegen Herbststürme, sie müssen auch bei Ernte und Versand mit Vorsicht
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