Rote Sternrenette.
Reifezeit: November bis Januar.
Name und Heimat: Eine deutsche Sorte, die vom Niederrhein aus verbreitet worden ist. Sie kommt in anderen Gegenden nur vereinzelt vor und ist in Deutschland nur unter obigem Namen bekannt. In Frankreich und Belgien ist sie unter dem Namen„Reinette etoilée“ oder„Calvill etoilé“ verbreitet. In der holländischen Provinz Limburg, wo sie seit etwa hundert Jahren heimisch ist, führt sie den Namen „Pomme de Coer“(Herzapfel).
Gestalt: Ganz regelmäßig gebauter, plattrunder Apfel von mittlerer Größe, 5— 6 cm hoch und 6— 8 cm breit. Die größte Breite etwas unterhalb der Mitte, nach dem Kelch etwas stärker als nach dem Stiel hin abnehmend.
Kelch: Vollständig offen, mit gut erhaltenen, lang zugespitzten und zurückgeschlagenen Blättchen, die im Grunde nicht immer ganz zusammenhängen. Kelch in weiter, aber flacher Einsenkung, von schwach angedeuteten Fältchen umgeben.
Stiel- Sehr kurz, meist nur ½— 1 cm lang, nach der Ansatzstelle hin mitunter etwas verdickt, in einer ziemlich weiten und tiefen, trichterförmigen Stielhöhle, die in der Regel strahlenförmig berostet ist.
Schale: Glatt und geschmeidig, mit einer feinen Fetthaut überzogen. Von der gelben Grundfarbe sind nur in der Umgebung des Stiels Spuren erhalten geblieben. In der Regel tritt die kirschrote Farbe allein leuchtend hervor, die auf der Sonnenseite tiefrote Schattierungen annimmt. Gedämpft wird das Rot durch einen leicht bläulichweißen Hauch, der in unberührtem Zustande die ganze Frucht überzieht. Aus dem Rot heben sich zahlreiche, sternartige, hellgraue Punkte deutlich hervor, die nach dem Kelch hin etwas feiner und dichter gelagert, nach der unteren Hälfte der Frucht zu dicker und vereinzelter über die ganze Frucht zerstreut sind.
Fleisch: Gelblichweiß, und besonders in der Nähe des Kelches gerötet. Einzelne rote Adern ziehen sich durch das Fruchtfleisch hindurch und grenzen auch das herzförmige Kernhaus ab. Im Geschmack leidlich gut, locker, etwas gewürzt, nicht sehr saftreich.
Kernhaus: Geschlossen, mit kleinen schmalen Kernkammern, die mit den breitgedrückten, wohl-— erhaltenen, nach unten teils in scharfer Spitze auslaufenden, teils abgestumpften Kernen vollständig aus- gefüllt sind. Das durchschnittene Kernhaus gleicht einem streng regelmäßigen, strahlenden Stern.
Eigenschaften der Frucht.
Für Obstliebhaber gibt es kaum einen schöneren Anblick, als Fruchtkörbe, die mit der roten Sternrenette gefüllt sind. Das leuchtende Rot, gemildert durch den zarten Hauch der Deckfarbe und unterbrochen von den deutlich sich abhebenden, hellgrauen Sternchen wirkt so bezaubernd, daß man sich an diesem Anblick nicht satt sehen kann. Nichts ziert die rheinischen Obstmärkte und Ausstellungen mehr als die Fülle der dortigen Sternrenetten.
Der Preis für die Frucht ist infolge ihres schönen Aussehens verhältnismäßig hoch, höher als er dem innern Wert nach sein dürfte. Der Geschmack ist nur für den nicht verwöhnten Gaumen befriedigend, es fehlt die Frische, namentlich, wenn die Früchte längere Zeit gelagert haben. Aber zur Weihnachtszeit bildet der Apfel eine Tafelzierde ersten Ranges. Dann sollte man aber auch die Vorräte räumen. Unsere Mitarbeiter aus Geldern berichten, daß die Sternrenette ihren erfrischenden Geschmack dort bis weit ins Frühjahr hinein behalte.
Die Frucht hängt nicht sehr fest am Baum, muß Mitte Oktober gepflückt werden, sobald sie zu fallen beginnt. Bei der zähen Schale verträgt sie den Versand sehr gut, nur muß bei der Verpackung darauf geachtet werden, daß der feine Duft nicht abgewischt wird.
Eigenschaften des Baumes.
Die rote Sternrenette ist eine Hauptsorte des Niederrheins, die in Cleve, Geldern und vielen anderen Orten neben dem roten holländischen Bellefleur weite Verbreitung gefunden hat. Die Abbildungen im Text und in der Beilage stammen sämtlich vom Niederrhein, Lechenich und Geldern. Wir verdanken die Aufnahme der gütigen Vermittlung des Herrn Obstbauinspektors Wagner in Bonn.
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