Grosser rheinischer Bohnapfel.
Reifezeit: Januar bis in den Sommer hinein.
Name und Heimat: Der Name deutet schon den rheinischen Ursprung an. Die Sorte hat ihre Heimat in dem vulkanischen Teil der Rheinprovinz und ist eine Hauptsorte des sogenannten„Neuwieder Beckens“, in das die feuerspeienden Berge des Laacher Sees ihre Asche hineingetrieben und viele Meter hoch abgelagert haben. Verbreitet ist der rheinische Bohnapfel in Deutschland allgemein und zwar fast ausschließlich unter diesem Namen oder abgekürzt als„großer Bohnapfel“ oder schlichtweg„Bohnapfel“. Im Badischen, besonders im Schwarzwald, nennt man ihn auch„Jockerle“. Neben dem großen rheinischen Bohnapfel soll auch noch ein kleiner Bohnapfel vorkommen. Die meisten Fachleute sind aber der Meinung, daß beides die gleiche Sorte sei.
Gestalt: Mittelgroß, fast ebenso hoch wie breit, 5 ½— 7 ½ cm, walzenförmig und im Querschnitt unregelmäßig gebaut, oben und unten stark abgeflacht, in der Mitte der Frucht meist am breitesten. Die Frucht auf der farbigen Abbildung ist ausnahmsweise groß.
Kelch: Fast ganz geschlossen oder halb offen, in weiter, flacher, mit Fältchen umgebener Ein- senkung. Kelchblättchen grauwollig.
Stiel: Kurz und dick, nach dem Fruchtkuchen hin keulenartig verdickt, selten bis 1 cm lang, in einer flachen Stielhöhle.
Schale: Im baumreifen Zustand düstergrün und später gelbgrün, auf der Sonnenseite streifig gerötet. Die Streifen sind meist kurz abgesetzt und durch zahlreiche gelbgrüne Punkte unterbrochen. Die Frucht ist mit starkem, weißlichem Duft überzogen, der das Rot matt erscheinen läßt. Vereinzelt treten Rost- spuren auf.
Fleisch: Grünlichweiß, dicht unter der Schale ausgesprochen grün(auf dem Längsdurchschnitt der farbigen Abbildung ist der Ton zu gelb geraten), anfangs fest und sauer, zum Frühjahr hin saftiger, mürbe und wohlschmeckend.
Kernhaus: Sehr eng und bei normalen Früchten geschlossen; bei großen Früchten zuweilen etwas zerrissen. Die Kerne sind meistens unvollkommen, lang zugespitzt und füllen die schmalen Kernkammern voll aus. Farbe lichtbraun.
Eigenschaften der Frucht.
Unter den Wirtschaftssorten nimmt der rheinische Bohnapfel einen der ersten Plätze ein. Er ist für die Weinbereitung von unschätzbarem Wert und erzielt zu diesem Zwecke auch meist 1— 2 Mark für 50 Kilo mehr als andere Mostsorten. Die großen Apfelweinkeltereien in Sachsen- hausen und Umgebung verarbeiten ihn mit besonderer Vorliebe und sind für Tausende von Wagen- ladungen aufnahmefähig. Auch in den Krautfabriken und Konditoreien schätzt man ihn. Das zu Apfeltorten verwendete Mark behält gegenüber vielen anderen Sorten, die bei ihrer Verarbeitung schmutzig grau werden, eine schöne weiße Farbe. Spät im Frühjahr, wenn die Apfel selten werden, kann man den Bohnapfel auch wohl roh genießen. Bei den bescheidenen Ansprüchen, die man um die Zeit an den Wohlgeschmack der Apfel stellen darf, befriedigt seine Frische noch viele Obstesser. Voraussetzung dabei ist allerdings, daß er spät, gegen Ende Oktober, geerntet wurde. Die Frucht hnängt außerordentlich fest am Baum und bietet selbst in rauhen Lagen den Stürmen Trotz. Sie ist außerdem so fest im Fleisch, daß sie selbst die roheste Behandlung beim Verladen nicht übel- nimmt und auch noch in ihrer Reife versandfähig bleibt. Bei reichem Baumbehange bleiben die Früchte allerdings in ihrer Entwicklung zurück und geben eine Ware, die ausschließlich nur zu Most verarbeitet werden kann.
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