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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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V

Andenken an den Kongress.

Reifezeit: Mitte September, schon vom 5. September an, bis Anfang Oktober.

Name und Heimat: Sie wurde vom Obstzüchter Morel in Lyon gezüchtet und erhielt zur Er- innerung an den 1867 in Paris abgehaltenen internationalen Pomologenkongreß ihren Namen. Sie führt keinen anderen Namen; sie wird aber zumeist nur Kongreßbirne genannt.

Gestalt: Sehr groß, 10 12 cm lang, 79 em breit, oft noch viel größer. Die Frucht ist sehr unregelmäßig gebaut, und auf ihrer ganzen Oberfläche stark mit Beulen besetzt. Die größte Breite be- findet sich in der Regel nach dem Kelch, mitunter auch mehr nach der Mitte der Frucht zu. Nach unten und oben stumpf abgerundet, in der Regel im oberen Drittel merklich eingeschnürt.

Kelch:- Offen, weit hervorstehend oder in einer weiten, meist flachen Einsenkung, von einzelnen Beulen umgeben, die sich oft weit über die Frucht erstrecken.

Stiel- Im Verhältnis zur Größe der Frucht kurz und dick, 1 ½ 2 ½ cm lang, in der Mitte ein- geschnürt, nach beiden Enden sich verdickend. Der Stiel ist meist von Beulen umgeben und durch eine Fleischwulst nach einer Seite gedrückt.

Schale?: Am Baume gelblich-grün, später in ein tiefes Gelb übergehend. Auf der Sonnenseite flammig gerötet. Aus dem Rot tritt strichweise die Grundfarbe deutlich abgesetzt hervor. Punkte spär- lich, Rost in der Umgebung des Stieles fast regelmäßig vorhanden, hie und da auch einzelne Rostflecken über die Frucht zerstreut.

Fleisch: Gelblich-weiß, sehr saftreich und süß, ohne merkliche Fruchtsäure, nicht immer ganz schmelzend.

Kernhaus: Klein und vollachsig, durch feine Körnchen abgegrenzt. Die kleinen Kammern sind meist mit wenigen, länglicheiförmigen, tauben Kernen gefüllt.

Eigenschaften der Frucht.

Die Kongreßbirne zählt zu den größten Herbstbirnen und gilt trotz ihrer unregelmäßigen Gestalt als eine der angesehensten Schaufrüchte. Ihre flammige Röte reizt zum Kauf und der nicht verwöhnte Gaumen findet gegenüber anderen Schaufrüchten, die oft nichts als Schaufrüchte

sind, leidliche Befriedigung. Fein kann die Frucht allerdings nicht genannt werden, denn dazu

fehlt ihr alles Eigenartige im Geschmack, zumal zu einer Zeit, wo der Markt nicht arm an edlen Tafelbirnen ist. Ihre Reifezeit liegt auch nicht so früh, daß sie dadurch den Vorzug vor anderen frühen Herbstbirnen verdiente. Trotzdem erzielt sie recht befriedigende Preise. Wo Williams Christbirne gut gedeiht und das ist fast überall der Fall da kann Andenken an den Kon greß entbehrt werden. Wie bei allen Herbstbirnen dürfen die Früchte auch dieser Sorte nicht zu lange am Baum verbleiben, sofern sie nicht gleich verspeist werden sollen. Auch ist es nicht ratsam, sie in reifem Zustand zum Versand zu bringen, denn ihre Schale ist empfindlich, und die Früchte werden bald teigig.

Eigenschaften des Baumes.

Andenken an den Kongreß hat ein mäßig starkes Wachstum, das dem Stamm zunächst eine aufrechte Pyramidenform verleiht. Ein auf mehrere Jahre ausgedehnter Rückschnitt ver- hütet, daß die von den großen Früchten belasteten Zweige zu früh heruntergezogen werden. Wegen der Schwere der Früchte ist die Niederstammform dem Hochstamm vorzuziehen und auch ein dauernder Schnitt erwünscht. Man sollte bei dieser Sorte bestrebt sein, nicht so sehr eine große Zahl als recht große Früchte zu ziehen, die als Schaufrüchte Wert haben. Das wird allerdings an Formbäumen sicherer erzielt. Trotzdem ist die Sorte auch für Halb- und

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