Muskatellerbirne.
Reifezeit: August.
Name und Heimat: Die Muskatellerbirne hat in Thüringen und in der Provinz Sachsen eine weite Verbreitung gefunden. Sie wurde dort auch zuerst beobachtet. Schon Sickler beschreibt 1798 im „Teutschen Obstgärtner“ eine„große“ und eine„kleine Muskateller“, jedenfalls ein und dieselbe Sorte, die im„Illustrierten Handbuch“ als„kleine, lange Sommer-Muskateller“ Aufnahme gefunden hat. In der Literatur findet man eine große Zahl Muskatellerbirnen erwähnt. Die von uns abgebildete ist aber die verbreitetste. Am Bodensee kommt sie unter dem Namen„Heubirne“ vor, in Stuttgart nennt man sie „Röslesbirne“. Die anderen Namen„Aurate“ usw. kommen sicherlich anderen Muskatellerbirnensorten zu.
Gestalt: Klein bis mittelgroß, 4— 6 ½ cm lang, 3 ½— 5 cm breit, je nach dem Standort und Alter des Baumes kleiner oder größer. Die Form der Frucht ist meist länglich birnförmig, nach dem Stiel zu in der Regel zugespitzt, mit einer leichten Einschnürung im oberen Drittel der Frucht, nach dem Kelch hin stumpf abgerundet..
Kelch: Offen, aus kleinen, harten Kelchblättchen zusammengesetzt, in flacher, mitunter von kleinen Fleischbeulen umgebener Vertiefung.
Stiel: Stark, bald lang, bald kurz, 2 ½— 3 ½ cm lang, oben aufsitzend, in der Regel durch einen Fleischhöcker seitwärts gedrückt.
Schale: Gelblichgrün bis weißlichgelb, bei voller Reife hellgelb, mit vielen bräunlichrot umkreisten, braunen Punkten auf der Sonnenseite, die zur vollen Reife auf dem Lager der Frucht ein lachendes Aus- sehen geben. Am Kelch befindet sich ein leichter Rostanflug.
Fleisch: Halbschmelzend und saftig, so lange der Reifegrad nicht zu weit vorgeschritten ist, fast weiß mit gelblichem Anflug und ausgeprägtem Muskatgeschmack und Geruch.
Kernhaus: Klein, vollkommen ausgebildet, durch gelbliche Körnchen abgegrenzt. Kernkammern mit gut entwickelten, schwarzen, stark zugespitzten Kernen gefüllt.
Eigenschaften der Frucht.
Die Muskatellerbirne ist in Mitteldeutschland als Sommerfrucht hochgeschätzt, sie hat aber nur ein begrenztes Anbaugebiet. In Thüringen und Sachsen ist sie unter den frühen Birn- sorten die verbreitetste. In großen Mengen wandert sie von dort auf den Berliner und Magde-
dburger Markt. Sie ist als Rohfrucht ebenso beliebt wie als Einmachefrucht. Auch als Konserven-
frucht bleibt ihr würziger Geschmack sehr gut erhalten. Man braucht daher die kurze Haltbarkeit selbst bei größerem Anbau der Sorte nicht zu fürchten, denn die Konservenfabriken verarbeiten auch große Mengen immer gern zum Einlegen als Ganzfrucht und verhüten dadurch den Preis- druck. Die Muskateller erzielt trotz ihrer Kleinheit in der Regel viel höhere Preise als die edlen Herbstsorten:„Gute Louise“,„Köstliche von Charneu“ usw. Die Ernte und auch der Versand
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