Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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daß Winter Dechantsbirnen noch im Juni vollständig hart und ungenießbar sind. Sie bleiben steinig, rübenartig und haben nicht einmal den Wert einer gewöhnlichen Kochbirne.

Die Früchte hängen fest am Baum; sie dürfen nicht vor der zweiten Hälfte des Oktober geerntet werden. Sie sind beim Versand unempfindlich. In großer Menge kommen sie selten zum Verkauf. Als Delikateßfrüchte erzielen sie im Einzelverkauf oft Preise von 50 100 Pfg. das Stück. Da man die Winter Dechantsbirne freistehend nicht ziehen kann, und für sie nur die Spalierform in Frage kommt, erzielt man an diesen meist gleichmäßig große, gute Früchte. Durch das Einbeuteln in Papierdüten kann man von der Winter Dechantsbirne viel zartere Früchte erziehen. Auch bieten diese Papierbeutel einen Schutz gegen den Pilzbefall. Die Düsseldorfer und Mannheimer Ausstellungen lieferten den Beweis, daß unsere rheinischen Züchter feinen Tafel- obstes so vollkommene Früchte dieser edelsten aller Birnen zu ziehen vermögen, wie wir sie bis dahin nur in Frankreich antrafen.

Eigenschaften des Baumes.

Der Wuchs der Winter Dechantsbirne ist in der Jugend kräftig. An einzelnen Stellen mit kräftigem, warmem Boden und sehr warmer Lage mag noch der Anbau der Sorte in Pyramiden- form in Frage kommen, aber nur der Liebhaber darf sich mit ihrem Anbau befassen, niemals der Erwerbsobstzüchter. Die einzige Form, die der Winter Dechantsbirne zukommt, ist das Spalier an einer Süd- oder Ostwand, die vom Regen nur selten getroffen wird. Nur dort bleiben die Früchte gesund. Am Niederrhein, im Rheingau und am Bodensee trifft man vereinzelt in größeren Spalieranlagen Winter Dechantsbirnen. Ob aber selbst diese Pflanzungen einen Rein- gewinn abwerfen, bleibt recht fraglich.

Für kleine Formen reicht die Quitte als Unterlage aus, meist zieht man die Winter Dechants- birne auf Zwischenveredlung oder auf Wildling. Die Fruchtholzbildung ist kurz, die Bekleidung der Haupttriebe regelmäßig und leicht. Die Blüte beginnt früh und ihre Fruchtbarkeit setzt zeitig ein und ist regelmäßig und reichlich.

Das Blatt ist schmal, von dunkelgrüner Farbe und fein gesägt. Die Sommertriebe haben eine gelblich-grüne, sonnenseitig graubraun gerötete Farbe und deutlich hervortretende Punktierung.

Der in der Beilage abgebildete Baum steht in dem Garten des Herrn Kunze in Altenburg.

Schlechte Eigenschaften.

Holz, Laub und Früchte der Winter Dechantsbirne werden arg vom Birnenschorf befallen. Die Früchte werden dadurch oft rissig und bleiben dann ungenießbar. Da die Winter Dechants- birne nicht immer gut ausreift, so ist es dringend geboten, vor ihrem Anbau in größerem Maße zu warnen. Man lasse sich nicht verleiten, von dem äußeren Ansehen schöner Früchte auf Ausstellungen und von einem einmaligen vorteilhaften Verkauf auf ihren allgemeinen Anbau- wert zu schließen. Wer einmal beim Einkauf dieser Früchte enttäuscht wurde, wird kaum wieder ein zweites Mal danach Verlangen tragen. Deshalb fort mit dieser Sorte, überall, wo nicht alle Vorbedingungen für ihr gutes Gedeihen erfüllt sind, und wo der Obstzüchter Erwerbsobstbau, und nicht Liebhaberobstbau betreibt.

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