4
Winter Dechantsbirne.
Reifezeit: Dezember bis April.
Nameèe und Heimat:- Die Winter Dechantsbirne wurde 1825 in einem belgischen Klostergarten in Löwen aufgefunden und als„Pastorale“ in Belgien verbreitet. In England führt sie den Namen „Beurré Easter“. In Frankreich heißt sie„Doyenné d'hiver“. In Deutschland führt sie fast nur den Namen „Winter Dechantsbirne“. Ihre späte Reife hat ihr hie und da auch wohl den Namen„Frühlingsbutterbirne“ und„Pfingstbergamotte“ beigelegt. In Baden heißt sie auch„Winter Herrenbirne“ und im Hannöverschen „Hildesheimer Winterbutterbirne“.
Gestalt. Mittelgroß bis groß, 65— 70 mm breit, 88— 95 mm hoch, in der Form sehr veränderlich, manchmal rundlich, oft kreisel- oder eiförmig, in der Regel etwas eingedrückt.
Kelch.: Halboffen, groß, in einer tiefen, beuligen Einsenkung. Kelchblättchen dick und hartschalig, am Grunde wollig.
Stiel- Kurz und dick, 20— 25 mm lang, nach der Ansatzstelle stark verdickt, braun gefärbt, in einer ziemlich tiefen Stielhnöhle und durch eine Fleischwulst häufig zur Seite gedrückt.
Schale: Rauh anzufühlen, dick, von düstergrüner Färbung. Später gelblich und an der Sonnen- seite etwas trüb gerötet. Nur in bevorzugter Lage wird die Farbe der reifen Frucht tiefgelb wie auf der Abbildung. Zahlreiche feine Punkte überdecken die Schale meist so vollkommen, dass die Grundfarbe noch hervorlugt. In der Umgebung des Stieles strahlenförmig berostet. Sonstige Rostfiguren selten.
Fleisch: Gelblichweiß, unter der Schale grünlich. In passender Lage schmelzend und von köstlicher Würze und muskatartigem, weinsäuerlichem Geschmack; oft aber körnig oder gar steinig.
Kernhaus:- Klein und geschlossen. Die muschelförmigen, engen Kernkammern enthalten meist unvollkommene und wenige braune Kerne.
Eigenschaften der Frucht.
Wie der weiße Winter Kalvill der König unter den Aepfeln genannt wird, so darf man die Winter Dechantsbirne mit Recht die Königin der Birnen nennen. Dieses Lob verdient sie indessen nur dann, wenn ihr alle Verhältnisse ihres Standortes zusagen. Ihre späte Reifezeit gibt ihr einen Platz, an dem sie fast ohne jeden Wettbewerb steht und deshalb mit anderen Sorten auch nicht verglichen werden kann. Im bevorzugten Weinklima werden ihr Eigenschaften zu teil, die sie als die köstlichste Tafelfrucht selbst für den verwöhnten Feinschmecker efrscheinen, und die es verstehen lassen, daß für sie Preise gezahlt werden, die an die hohen Preise schönster Winterkalvillen erinnern. Aber wo sind die Plätze, die ihr solche Eigenschaften verleihen? In Deutschland reicht die Wärme meist nicht aus, um ihr Aroma voll zu entwickeln. Selbst in den südlichen Ländern unseres Vaterlandes ist die Ernte vollwertiger Früchte nicht immer gesichert. Je weiter nach Norden, um so minderwertiger werden die Früchte. Dort kann man es erleben,
59


