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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Gellerts Butterbirne.

Reifezeit: Ende September bis Oktober.

Name und Heimat: Oberdieck beschreibt die Gellerts Butterbirne im Ilustrierten Handbuch als eine 1838 durch van Mons aus Frankreich erhaltene Sorte, die er nach dem Liederdichter Gellert benannte. Sie führt manchen Ortes noch den NamenHardys Butterbirne.

Gestalt: Mittelgroß bis groß, 67 ½ cm breit, 7 ½ 9 cm hoch, an Zwergstämmen noch bedeutend größer. Die Frucht hat nach dem Kelch zu die größte Breite, ist nach dem Stiel hin eingeschnürt, in der Regel auf der einen Seite weit mehr als auf der anderen Seite, sodaß zwei ungleiche Hälften beim Durch- schnitt entstenen. Der Längsdurchschnitt auf der farbigen Abbildung gibt dies deutlich zu erkennen.

Kelch. Mittelgroß, offen, in einer ziemlich weiten, tiefen Einsenkung. Die Kelchblättchen sind dick und bräunlich gefärbt und von breiten, flachen Beulen umgeben.

Stiel- Kurz und dick, 18 25 mm lang, in der Regel durch den einseitigen Auswuchs der Frucht zur Seite gedrückt.

Schale: Im baumreifen Zustande ist die Grundfarbe grünlich, bei der Lagerreife ockergelb, auf der Sonnenseite mit braunrotem Schimmer versehen. Zahlreiche Punkte und Rostfiguren vereinigen sich oft derart, daß die Frucht wie gänzlich berostet erscheint, und eine stumpfe, vornehme Färbung erhält. Die Frucht fühlt sich sehr rauh an. Schattig hängende Früchte zeigen viel weniger Rost.

Fleisch: Gelblich-weiß, völlig schmelzend, von überfließendem, würzigem Saft und erfrischendem, weinsäuerlichem Geschmack.

Kernhaus: Klein, etwas hohlachsig, mit flachen Kammern, die viel unvollkommene, dunkle, nach der Spitze gekrümmte Kerne enthalten.

Eigenschaften der Frucht.

Gellerts Butterbirne ist im Geschmack über alles Lob erhaben und wird von jedermann als eine der feinsten Tafelbirnen, die uns der Herbst bringt, anerkannt. Man hört über sie nur immer das eine Bedauern laut werden:Schade, daß sie so bald hinüber geht. Wenn man sie nicht zu früh pflückt, hat sie einen so köstlichen, erfrischenden Saft, daß sie fast auf der Zunge zerfließt. Läßt man sie länger am Baume hängen, so tritt eine sattere Grund- farbe viel mehr hervor, die sie auch für Nichtkenner zu einer guten Marktfrucht macht. Der Versand muß frühzeitig erfolgen, da die Gellert sich nur kurze Zeit hält und trotz der fast võllig berosteten Schale leicht Druckflecke erhält, die eine weitere Lagerung ausschließen würden. Sonderlich hohe Preise werden für Gellerts Butterbirne nicht gezahlt, weil um die Zeit ihrer Genußreife der Markt mit Birnen überfüllt ist und weil gar viele ihren Wert nicht erkennen. Man sollte diese edle Frucht jedermann kosten lassen, dann würden die bis jetzt angebauten Mengen gewiß nicht reichen, um die Nachfrage zu befriedigen.

In den letzten Jahren hat man auch in Deutschland begonnen, unsere schönen frühen Herbstbirnensorten, z. B. Gute Luise, Köstliche von Charneu in Obstlagerräumen mit Kühl- einrichtung bis in den November-Dezember aufzubewahren, um sie dann zu sehr lohnenden

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