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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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ist. Die Früchte haben meist eine gleichmäßige Entwickelung und sie werden infolge ihrer Größe und Güte an solchen Orten, an denen ihr Wert bekannt ist, stückweise zu hohen Preisen ver- kauft. Trotz ihrer Größe hängen die Früchte fest, ja sie sind vor der vollen Baumreife schwer loszulösen. Gegen Fusikladium sind sie unempfindlich. Trotzdem wird das Einhüllen der Früchte in Papierbeutel als sehr lohnend angeraten.

Eigenschaften des Baumes.

Die Vereins-Dechantsbirne gehört zu den stark wachsenden Sorten. Aufrechten Wuchs zeigt sie schon in der Baumschule und behält diesen bei, solange sie nicht durch unnötigen Schnitt daran behindert wird. Die Abbildung zeigt einen Hochstamm der Vereins-Dechantsbirne aus dem Provinzial-Obstgarten Diemitz. Als Hochstamm sollte man die Sorte aber nur im Süden Deutschlands bauen, weil sie zu der vollkommenen Ausbildung ihrer Früchte viel Wärme gebraucht. Sie verliert am Hochstamm in Norddeutschland leicht an den Eigenschaften, die man von einer hervorragend schönen Tafelfrucht verlangen muß. Dies ist auch der Grund, daß nicht alle unsere Mitarbeiter in das Lob einstimmen, das der Frucht von uns gespendet wurde. Viel mehr noch weichen aber die Erfahrungen von einander ab, die mit ihrer Tragbarkeit gemacht worden sind. Während im allgemeinen die Fruchtbarkeit, besonders an jungen Bäumen, als eine sehr unbefriedigende beobachtet worden ist, kommen aus Rheinhessen, Bayern und am Rhein Stimmen, die mit den Ernteerträgen der Vereins-Dechantsbirne sehr zufrieden sind. Offenbar üben die Bodenverhältnisse, in denen die Sorte angepflanzt wird, auf die Verschiedenheit der Fruchtbarkeit einen großen Einfluß aus. Sie verlangt neben Wärme auch genügende Feuchtigkeit. In Wasserburg am Bodensee gibt es Spalieranlagen von der Vereins-Dechantsbirne, die regelmäßige, außergewöhnlich große Ernten köstlicher Früchte eintragen. Allerdings haben die ersten Jahre auch dort Mißernten gebracht. Zum Massenanbau für den Erwerbsobstzüchter darf die Vereins-Dechantsbirne nur an solchen Stellen Verwendung finden, an denen Versuchspflanzungen bereits reiche Ernten geliefert haben. Für das Umpfropfen älterer Birnbäume hat sie sich als sehr dankbar erwiesen.

Für den Formbaum kommt als Unterlage nur die Quitte in Betracht.

Das dunkelgrüne Laub mit den hellen Rippen und gelblichgrünen Blattstielen bildet eine besondere Zierde der Sorte. Die Blätter sind breit und sichelförmig gebogen, deutlich gezahnt und was sie besonders wertvoll macht für Fusikladium unempfänglich. Die Blüte gehört zu den spätesten. Sie dauert ziemlich lange.

Schlechte Eigenschaften.

Die Vereins-Dechantsbirne liefert spät und nicht überall befriedigende Erträge. Von ver- schiedenen Seiten wird sie als frostempfindlich bezeichnet.

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