Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Vereins-Dechantsbirne.

Reifezeit: Oktober bis Ende November.

Name und Heimat: Die Vereins-Dechantsbirne ist französischen Ursprungs und von Frankreich aus als Doyenné du Comice in den Handel gebracht. In Angers, ihrem Heimatsorte, brachte sie 1849 die ersten Früchte. In Osnabrück führt sie den Namen Roberts Butterbirne. Ueberall sonst kennt man sie unter dem obigen Namen.

Gestalt: Mittelgroß bis groß, stumpfkegelförmig, nach Art der Dechantsbirnen oft etwas schief gebaut und auf der einen Seite in der Nähe des Stieles eingedrückt. Im Durchschnitt erscheinen die beiden Hälften dadurch ungleich.

Kelch: Halboffen, klein, mit kurzen, braungelben Kelchblättchen. Kelcheinsenkung tief und von starken Beulen umgeben.

Stiel: Kurz und dick, selten mehr als 1 ½ 2 cm lang, von brauner Farbe, sitzt in einer flachen Vertiefung und wird durch einen Fleischhöcker zur Seite gedrückt.

Schale: Am Baume grünlich-gelb, später gelb, auf der Sonnenseite ein wenig mit trübem Rot, das zur Vollreife lebhafter wird, überzogen. Die ganze Frucht ist mit zahlreichen, teils feinen, teils gröberen Punkten und vereinzelten Rostfiguren bedeckt, die um den Kelch und Stiel herum mehr Zusammenhang haben und etwas strahlenartig auslaufen.

Fleisch: Fein, mit schwach gelblichem Schimmer, vollständig schmelzend und äußerst saftreich, von angenehmer Würze.

Kernhaus: Muschelförmig, vollachsig, mit feinen Körnchen umgeben. Die Kammern werden von den großen, oft stark beuligen, unregelmäßigen Kernen fast ganz ausgefüllt.

Eigenschaften der Frucht.

Unter den Liebhabersorten ist die Vereins-Dechantsbirne unstreitig eine der vorzüglichsten. Ueber ihren Wert als Tafelfrucht kann es nur das eine Urteil geben:Es gibt nichts Köstlicheres. Wenn man sich an ihrem Genuß erquickt, wird auch bei ihr der Wunsch rege, daß sie doch 6 Wochen später und dann reifte, wenn der Markt an feinen Tafelbirnen arm wird. Die Frucht muß mit Beginn der Baumreife geerntet werden. Da sie vornehmlich in wärmeren Gegenden Deutschlands zum Anbau kommt, so ist um die Mitte September die Zeit ihrer Ernte gekommen. Man hat beobachtet, daß die Vereins-Dechantsbirne sich länger hält und noch feiner schmeckt, wenn sie spät geerntet wird. Sie tritt mit vielen guten anderen, gleichzeitig reifenden Sorten in Wett- bewerb, geht aber dabei als Siegerin hervor, sobald sie auf dem ihr zusagenden Boden gewachsen

53