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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Roter Eiserapfel. Reifezeit: Dezember bis Sommer.

Name und Heimat: Der rote Eiserapfel ist eine der ältesten und verbreitétsten Obstsorten. Er führt in den einzelnen Ländern die verschiedensten Namen, so nennt man ihn z. B. in Holstein roter Krieger, in Hannover, Westfalen und Rheinland Paradiesapfel und Bamberger, in Ostfriesland Mahrenholz, in Nassau Herzapfel, in Altenburg Klosterapfel, in Thüringen und in der Provinz Sachsen Mohrenkopf, Mohrenstettiner, Mohrenborsdorfer, im Eichsfeld Christapfel, in Württemberg drei Jahre dauernder Streifling, in Baden Kohlapfel, roter Winter-Kalvill, Naegelesapfel und Eisapfel. Auch als Schornsteinfeger ist er sehr verbreitet.

Gestalt: Mittelgroß bis groß, 75 80 mm breit, 68 75 mm hoch, stielbauchig, nach dem Kelche stumpf zugespitzt, am Stiele abgeflacht. Fünf Rippen ziehen sich vom Kelch ab bis zur Mitte der Frucht deutlich hinunter.

Kelch, Geschlossen, grünbleibend, die Kelchblättchen sind gut erhalten und filzig, in seichter, gerippter Einsenkung.

Stiel- Kurz und dick, 5 15 mm lang, dunkelbraun, in einer tiefen, trichterförmigen, strahlenförmig berosteten Stielhöhle.

Schale: Glatt und glänzend, sobald der fast über die ganze Frucht ausgebreitete, bläuliche Duft verschwunden ist. Die Grundfarbe der baumreifen Frucht ist düster grün, sie wird bei reiferen Früchten heller, aber nie leuchtend. Außerdem wird das Grün meist vollständig von einem dunklen Rot, das die Sonnenseite einfarbig überzieht, mitunter aber mehr oder weniger deutlich gestreift erscheint, bedeckt. In diesen roten Stellen sind auffallend deutliche, große, weißliche Punkte zu erkennen.

Kernhaus: Zwiebelförmig und geschlossen, die Kammern sind flach und enthalten wenige, länglich zugespitzte Kerne.

Eigenschaften der Frucht.

Den amerikanischen Aepfeln, die zur Winterszeit unsere Märkte und Obstläden füllen, rühmt man nicht mit Unrecht ihre Widerstandsfähigkeit gegen Stoß- und Druckflecke nach. Man kann es auch dem Eiserapfel nachrühmen, daß er gegen eine schlechte Behandlung unempfindlich ist. In obstreichen Jahren hat man ihn schon ähnlich wie Kartoffeln in Erdgruben aufbewahrt und er hat solches Einmieten recht gut überstanden. Es ist keine Seltenheit, Früchte des Roten Eiser- apfels noch bis in das zweite Jahr nach der Ernte tadellos zu halten. Im späten Frühling gewinnt die Sorte auch im Geschmack. Das macht die Festigkeit seines Fleisches und die Zähigkeit seiner Schale, die ihn bis zur Wiederkehr der nächstjährigen Obsternte straff erhält. Aus diesem Grunde hat man ihn auch von alters her als den besten Dauerapfel hochgeschätzt. Solange man diese Eigenschaften höher bewertete, als die Feinheit im Geschmack, war auch die Empfehlung dieser Sorte zur Weiterverbreitung durchaus berechtigt. Allmählich steigen aber

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