Frucht und seine ungewöhnliche Tragbarkeit. Etwas weniger von’ der letzteren würde ein Vorteil sein, denn die Früchte werden nur so lange groß bleiben, als der Baum in seiner jungen Triebkraft steht. Bei der fast jährlichen Wiederkehr der Ernte wird es viel Ausfall geben. Das Außere der Frucht ist in den meisten Anbaugebieten wenig ansprechend. Wenigstens kostet es Mühe, den Apfel vom Baume herunter zu verkaufen, da er um diese Zeit noch ein recht grasgrünes Aussehen hat. Wer den Apfel aber erst einmal gekostet hat, und Früchte nach dem inneren Wert zu beurteilen gewohnt ist, der wird diese Sorte stets wieder suchen, denn er behält an ihr bis ins Frühjahr hinein eine außerordentlich wohlschmeckende, saftreiche, aroma- tische Frucht, die sich bis dahin auch auf dem Lager gut frisch erhält.
Die Widerstandsfähigkeit der Früchte gegen den Befall durch den Schorfpilz ist noch nicht genügend erprobt. Die Schale ist zwar dünn, aber nicht empfindlich beim Versand. Alle Kenner zahlten bis jetzt gute Preise; ob diese auf dem Markt die in sie gesetzten Hoffnungen erfüllen werden, muß die Zukunft lehren.
Die Früchte hängen fest am Baum und sind im ersten Drittel des Oktober zu ernten.
Eigenschaften des Baumes.
Die Sorte ist noch zu kurze Zeit im Handel, die Pflanzungen noch zu jung, um ein einiger- maßen abschließendes Urteil zu erlangen. Der Trieb ist in der Jugend kräftig, läßt aber sehr bald nach, denn schon am einjährigen Holz bilden sich Fruchtknospen und bei der kaum aus- setzenden Tragbarkeit wird für die Entwicklung der Früchte so viel Kraft verwendet, daß nur bei starker Düngung Nährstoffe zur Erzeugung von Holztrieben übrig bleiben. Man wird deshalb nur in guter Dungkraft stehenden Boden zur Anpflanzung dieser Sorte verwenden dürfen, um Enttäuschungen zu entgehen.
Das Blatt hat den Charakter der Landsberger Renette, nur ist es dunkler gefärbt, die Triebe verzweigen sich sehr gut und bilden ziemlich kurzes Fruchtholz. Die Jahrestriebe haben eine violette Tönung und sind stark punktiert.
Der Minister von Hammerstein findet vorwiegend für Buschkultur und Formbaumzucht Verwendung. Bei seiner Neigung zur Tragbarkeit ist für diese Baumform die Doucinunterlage dem Paradies vorzuziehen. Uber seine Brauchbarkeit zur Hoch- und Halbstammkmultur liegen noch zu wenig Erfahrungen vor. Einstweilen sind nur umgepfropfte Bäume dieser Formen vorhanden, die den eigentlichen Wuchs der Sorte noch nicht erkennen lassen. Er wird mehr in die Breite als in die Höhe streben und vielleicht infolge der reichen Tragbarkeit einen hängenden Charakter der Krone einnehmen.
Altere Bäume zur Wiedergabe des Kronenaufbaues sind noch nicht vorhanden. Der Baum, welcher für die Beilage photographiert wurde, steht in den Anlagen des Herrn Baumschulen- besitzers J. Röder in Roisdorf bei Bonn.
Die Früchte sitzen stellenweise wie eine Perlenkette dicht an den Zweigen gereiht und bilden sich, trotz ihrer engen Stellung, zumeist vollkommen aus.
Die Blüte tritt früh ein und dauert lange.
Bei Erwerbsobstanlagen am Rhein und in der Provinz Sachsen hat der Hammerstein bereits reichlich Verwendung gefunden.
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