Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Geflammter Cardinal. Reifezeit: Oktober bis Februar.

Namèe und Heimat: Der Geflammte Cardinal ist eine weit verbreitete alte Apfelsorte, die zum Unter- schied von ähnlichen Früchten dieser Art auch den vollständigeren NamenGeflammter weisser Cardinal führt.Pleissener Ramboux wird sie in Mittel- und Norddeutschland vielfach ge- nannt. In Holstein und Hannover geht sie auch unter dem NamenKontorapfe!l oderHerren- apfel, im Königreich Sachsen nennt man sieHimmelhahn,Bischofsmütze,Meis sener Gerstenapiel«, in der EifelLortenapiel, in NassauKaiscrapfel«,Hohl- häuschen undRasselapfel, im BodenseegebietHohlgacker. Sehr oft wird sie auch als falscher oderschwerer Gravensteiner geführt.

Gestalt: Groß und mittelgroß, bald hochgebaut, bald platt. Kaum eine andere Apfelsorte ist so verschieden in der Form wie diese. Beim Längsdurchschnitt sind die Hälften meist ungleich, ja die eine Hälfte ist oft nur halb so groß wie die andere. In der Regel ist indessen der Breitendurchmesser größer als der Längendurchmesser. Die Frucht ist aber bei aller Verschiedenheit ihrer Form durch die scharfen, über den ganzen Apfel sich deutlich hinstreckenden Kanten und durch den eckigen, unregelmäßigen, fast dreikantigen Querdurchschnitt immer leicht als Geflammter Cardinal zu erkennen.

Kelch: Halboffen, bei stark besonnten Früchten auch ganz offen und mitunter geschlossen. Die Blättchen sind breit, grün, oft bräunlich angehaucht, wollig, in einer tiefen, von starken Rippen umgebenen Kelcheinsenkung sitzend. 3

Stiel: Mitteldick, kurz, selten über die Höhle hervortretend, grünlich behaart. Stielhöhle ungleich, hellbraun berostet, ziemlich breit und nicht tief.

Schale: Hellgelb in der Grundfarbe, oft mehr, oft weniger mit flammigen roten Streifen überzogen, die sich bisweilen, durch dunklere Stellen unterbrochen, über die ganze Frucht verlaufen. Auf der Sonnen- seite sind schwach sichtbare Punkte vorhanden. Die Schale fühlt sich fettig an und erinnert an den Gravensteiner, nur ist der Duft ein viel schwächerer und anderer als bei diesem. In manchen Jahren treten auch vereinzelte Rostfiguren auf.

Fleisch: Grünlich- bis gelblichweiß, mürbe und saftig, von erfrischendem Geschmack, aber ohne Gewürz und Geruch.

Kerhhaus: Weit offen und zerrissen, mit weiten Kernhauskammern, in welchen die braunen, meist unvollkommen ausgebildeten Kerne herumschlottern. Das Kernhaus ist bis an die Kelchröhre heran weit offen. Das ist auf der farbigen Abbildung nicht richtig wiedergegeben.

Eigenschaften der Frucht.

Der Geflammte Cardinal ist infolge seiner Größe und seiner frischen Farben ein begehrter Marktapfel. Er kommt fast gleichzeitig mit dem Gravensteiner zum Verkauf und ruft dadurch sehr oft recht unliebsame Verwechslungen hervor. Vom GCravensteiner unterscheidet er sich da- durch, daß seine Grundfarbe niemals so tief gelb gefärbt ist wie bei jenem, und daß ihm der dem

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