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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Esperen's Bergamotte.

Reifezeit: Dezember bis März-April.

Name und Heimat. Auch diese Sorte ist, wie so viele andere unserer besten Winterbirnen, belgischen Ursprungs. Sie wurde 1830 von Major Esperen aus Samen gezogen. Sie geht auch wohl, allerdings fälschlich, unter dem Namen Winterbergamotte. In Deutschland ist sie erst um 1855 eingeführt.

Gestalt: Mittelgroß, von rundlicher, unregelmäßiger Form, mehr breit als hoch gebaut, 7 zu 5 ½ bis 6 cm. Die Hälften sind meist ungleich.

Kelch. Fest geschlossen, in ziemlich tiefer und breiter, unregelmäßiger Einsenkung. Die Kelch- blättchen sind fest, hornartig, mit nach innen gebogenen Spitzen.

Stiel- Holzig, 23 cm lang, unten grün, oben braun gefärbt, in der Regel mit einem oder mehreren Höckern versehen. Der Stiel sitzt fest oben auf oder in ganz flacher Vertiefung.

Schale: In der Baumreife dunkelgrün, mit stark hervortretenden, dunklen und großen Punkten, die der Frucht ein etwas rauhes Aeußere geben. Bei zunehmender Reife färbt sie sich gelblich und bekommt unter günstigen Verhältnissen mitunter einen rötlichen Anflug. Scharf abgegrenzte Rostfiguren finden sich an vielen Früchten, und zwar nicht nur am Stiel und Kelch, sondern zuweilen ist fast die ganze Frucht von Rost überzogen.

Fleisch: Saftreich und fein, rötlich angehaucht. In guten Lagen schmelzend und von köstlichem Aroma, in manchen Jahren und unter ungünstigen Anpflanzungsverhältnissen steinig und kochbirnartig.

Kernhaus: Lang mit eiförmigen Kammern und langen, großen und vielen vollkommenen Kernen gefüllt.

Eigenschaften der Frucht.

Unter den Bergamotten ist die Esperen's Bergamotte eine der verbreiteisten und bekanntesten. Wer Früchte von günstig stehenden Bäumen kostete, wird gern den Ruhm des köstlichen Ge- schmackes, den die Frucht auch bis ins späte Frühjahr behält, verbreiten helfen.

Das Verlangen nach wirklichen Winterbirnen hat manchen Obstzüchter verleitet, diese Sorte anzubauen, ohne daß er die zu ihrem guten Gedeihen erforderlichen Bedingungen zu erfüllen vermochte. Am Bodensee und in den warmen Tälern des Rheins, in bevorzugten Lagen Württem- bergs und Bayerns ist ihre vermehrte Anpflanzung berechtigt. Aber selbst hier ist es geboten, damit die Früchte voll ausreifen, als Baumform den Niederstamm statt des Hochstammes zu wählen. In Norddeutschland, wo man die Esperen's Bergamotte in den Sortimenten zum Massenbau sehr oft vertreten sieht, dürfte wohl in den seltensten Fällen die Sonnenwärme ausreichen, den edlen,

weinsäuerlichen Geschmack zum Ausdruck zu bringen, der ihr den Rang einer der wertvollsten Winterbirnen verleiht.

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