Diels Butterbirne.
Reifezeit: Oktober bis Dezember.
Nameèe und Heimat: Nach den Angaben von Bivord wurde Diels Butterbirne zu Anfang des vorigen Jahrhunderts in Trois-Tours bei Vilvorde in Belgien aufgefunden und von van Mons nach dem berühmten Pomologen Diel benannt. In Deutschland ist sie nur unter obigem Namen verbreitet, während sie in Frankreich sehr verschiedene Bezeichnungen führt z. B. Beurré Magnifique, B. Royale, B. de Trois-Tours, Poire Melon, Graciole d'hiver u. a. Mathieu zählt in seinem Nomenclator pomologicus 38 verschiedene Namen auf.
Gestalt. Groß bis sehr groß, 8— 11 cm lang, 7—9 cm breit. Dickbauchig, nach unten gleichmäßig abgeschrägt, im oberen Drittel deutlich eingeschnürt, am Kelch und Stiel abgeplattet. Die Birne zeigt öfters über die ganze Frucht verlaufende Unebenheiten, so daß beim Längsdurchschnitt die Hälften etwas ungleich erscheinen.
Kelch: Stark ausgebildet, halboffen, indessen durch die nach innen gebogenen Kelchblätter meist geschlossen erscheinend, in flacher Einsenkung, von deutlichen Rippen eingefaßtt.
Stiel- Holzig und stark, oben in der Regel dicker als unten, 2 ½— 3 cm lang, meist durch einen Fleischwulst etwas zur Seite gedrückt, braun gefärbt, erscheint wie eingesteckt.
Schale- In der Baumreife hellgrün, später zitronengelb, oft okerfarbig gerötet, mit überaus zahl- reichen Punkten und feinen Rostfiguren überzogen, die besonders in der Umgebung des Stieles etwas strahlenförmig auslaufen. Die Schale ist anfangs derb, in der Lagerreife und in guter Lage zart.
Fleisch: Weiß, in der Regel süß mit etwas Würze, mitunter auch reichlich herb. In guten Boden- verhältnissen wird die Frucht schmelzend, meist ist sie körnig, sogar steinig, besonders in der Umgebung des Kernhauses.
Kernhaus: Auffallend klein im Verhältnis zur Größe der Frucht. Die wenigen vorhandenen Kerne sind meist unvollkommen entwickelt und befinden sich in engen Kammern.
Eigenschaften der Frucht.
Als große ansehnliche Schaufrucht hat sich Diels Butterbirne in ganz Deutschland viele Freunde erworben, wozu teils die vielen Ausstellungen, auf denen sie als Paradefrucht Aufsehen erregte, teils auch die im zeitigen Herbst in den Schaufenstern der Delikateßgeschäfte ausliegen- den Früchte französischen Ursprungs beigetragen haben.
Die unter günstigen Verhältnissen gezogenen Früchte rechtfertigen diese weite Verbreitung. In diesem Falle ist die Frucht nicht nur äußerlich schön, sondern auch als eine wohlschmeckende Tafelbirne zu bezeichnen, deren Wert durch die für norddeutsche Verhältnisse beziehentlich lange Haltbarkeit erhöht wird. In Süd- und Westdeutschland fällt ihre Reifezeit meist zusammen mit vielen, feiner schmeckenden Tafelbirnen, wodurch ihr Preiswert gedrückt wird. Sie wird am Rhein oft schon im Oktober genießbar und hält sich dann bis höchstens Ende November, während sie in Mittel- und Norddeutschland sich fast bis Weihnachten hält und fast als Winter- birne bezeichnet werden darf. Feinschmeckend wird die Frucht in Norddeutschland indessen nur am Spalier in südlicher Lage. Man darf sich durch die Größe der Frucht nicht verleiten lassen, die Diels Butterbirne an unrechtem Standort anzupflanzen, denn sehr häufig bleibt sie dann rübenartig im Geschmack. Es muß freilich zugestanden werden, daß kaum eine andere Sorte in gleichem Maße wie Diel gute Bodenpflege und Düngung bezahlt macht, doch ist die richtige Pflückzeit von großem Einfluß auf den Geschmack der Früchte.
Am Niederrhein, in der Provinz Hannover, in Oldenburg und an vielen anderen Stellen wird Diels Butterbirne stark vom Fusikladium befallen und ebenso werden viele Klagen laut über das Rissigwerden der Früchte.
Zum Versand eignet sich diese Sorte vorzüglich, wenn man sie vor der Vollreife an den Mann bringt. Im reifen Zustande erhält sie leicht Druckflecken. Spalierfrüchte erzielen hohe Preise, während Hochstammfrüchte nicht über den Durchschnittspreis bezahlt werden. Ein milder, nahrhafter, sandiger Boden bringt wesentlich wohlschmeckendere Früchte hervor als ein schwerer Lehmboden.
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