Weisser Winter-Kalvill.
Reifezeit: Dezember bis Anfang April.
Name und Heimat: Der Weiße Winter-Kalvill zählt zu den bekanntesten und verbreitetsten Sorten, die aus Frankreich bei uns einzogen. Er führt heute wohl nur noch diesen Namen, während man ihn früher auch als: Weißer Kardinal in Thüringen, als Sternapfel in Süddeutschland, als Eck- apfel in Anhalt und auf Obstausstellungen bezeichnet fand.
Gestalt. Mittlere Früchte haben eine Breite von 6—8, eine Höhe von 5—7 cm. Gut entwickelte Spalierfrüchte werden oft doppelt so groß. Die Frucht ist charakterisiert durch die stark hervortretenden, oft 1 cm hohen, regelmäßig um den Kelch verteilten und deutlich bis zum Stiel verlaufenden 5 Rippen. Zwischen diesen Hauptrippen erkennt man meist noch 5 flachere bis zur Mitte der Frucht sich erstreckende Rippen. Nach dem Stiel zu ist die Frucht abgeplattet, nach dem Kelche kugelförmig. Die größte Breite liegt unter der Mitte.
Kelch: Halb offen, oft auch geschlossen, in tiefer Einsenkung. Kelchblätter spitz und wollig.
Stiel.- Mittelstark und holzig, grün oder grünlichbraun, von sehr verschiedener Länge, in tiefer, meist berosteter, stark faltiger Einsenkung.
Schale: Fein, am Baume grün bis grünlichgelb, in bevorzugten Lagen auch schon im baumreifen Zustande tiefer gelb gefärbt und an der Südmauer mitunter etwas rötlich angehaucht, mit einzelnen roten Tupfen versehen. Feine hellbraune Pünktchen, von weißem Hof umgeben, sind über die ganze Frucht verteilt. Geruch wenig hervortretend.
Fleisch: Der Kalvill hat ein lockeres, feines, sehr saftiges Fleisch von köstlichem, süßsäuerlichem Aroma, welches keiner Frucht in gleichem Maße eigen ist.
Kernhaus: Wie bei fast allen Kalvillen zerrissen, zwiebelförmig, mit ziemlich engen, meist 1 bis 2 Kerne enthaltenden Kernhauskammern. Kerne braun, länglich eiförmig.
Kelchhöhle: Tief, von breiten Rippen umgeben, die nach dem Kelch hin wollig überzogen sind. Kelchröhre kegel- bis trichterförmig.
Eigenschaften der Frucht.
Mit gutem Grunde zahlt der Liebhaber für den Weißen Winter-Kalvill auch schon in Deutsch- land Preise, die hier sonst ungewohnte waren, denn es ist bis jetzt keine zweite Sorte gezüchtet, die einen edleren Geschmack, ein köstlicheres Aroma besitzt als sie dem Weißen Winter-Kalvill eigen sind. Mit Recht wird er der König der Aepfel genannt. Es gibt aber auch keine Sorte, die so große Ansprüche an die Kultur und an den ihr allein behagenden, auserlesensten Platz stellt.
Vornehm in der Form, trotz der unregelmäßigen Gestalt, meist mehr breit als hoch ge- baut, hat sie als ein besonderes Kennzeichen die stark hervortretenden Rippen. Auf der farbigen Beilage tritt dieselbe in ausgesprochener Form in die Erscheinung. Aber wie wenige derartige Exemplare werden geerntet! Recht klein ist die Auslese tadelloser Früchte, die bei der Ernte gehalten wird. Groß dagegen pflegt die Menge zu sein, die verkümmert, schorfig oder mit Korkrost behaftet in die zweite, dritte und vierte Klasse wandern muß. Deshalb sind auch die hohen Preise von 50 Pf. bis 1.50 Mk. und darüber hinaus berechtigt, die für eine gut entwickelte Frucht gezahlt werden. Dabei kommt der Erwerbsobstzüchter trotzdem selten auf seine Kosten. Nur der kapitalkräftige und der in der Kultur erfahrene Züchter darf den Erwerbsanbau des Weißen Winter-Kalvill in die Hand nehmen.
Diese erheblichen Anforderungen könnten wohl auch den Liebhaber abschrecken, sich mit dem Anbau einer so anspruchsvollen Sorte zu befassen, und es würde dadurch in der Tat manche Enttäuschung vermieden werden, die mancher oft erfahren mußte. Freilich braucht der Liebhaber nicht darauf zu sehen, nur Früchte von außergewöhnlicher Größe zu ziehen. Auch
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