Eigenschaften des Baumes.
Bosc's Flaschenbirne bildet in der Baumschule keine kräftigen Stämme, der Jahrestrieb ist lang aber dünn und besitzt nicht die Kraft, sich selbst zu tragen, daher wird bei der Anzucht meist ein Rückschnitt der Leittriebe erforderlich. Auch die junge Krone bedarf in den ersten Jahren nach der Pflanzung eines Rückschnittes, weil sonst die Triebe schlaff herunter hängen und wenig Verzweigung bilden; die Seitenaugen treiben schlecht aus. Sobald aber der Baum aus den Flegeljahren heraus ist, entwickelt sich die Krone ohne Rückschnitt üppig und er-— fordert bis ins hohe Alter nur wenig Arbeit. Der Wuchs bleibt zwar immer ein hängender, wie aus der photographischen Aufnahme, welche aus dem Garten des Herrn Grau-Körbelitz stammt, zu ersehen ist, aber durch das Sichneigen der fruchtbeladenen Aeste findet eine Ver- jüngung ohne künstlichen Eingriff von selbst statt. Der Baum ist unempfindlich, leidet niemals durch Frost und ist so recht eine Sorte für Norddeutschland, wo sie auch heute eine allgemeine Verbreitung gefunden hat. Am Rhein ist man von der Brauchbarkeit der Sorte weniger überzeugt.
Wenn die Urteile in Fachkreisen auch anderwärts nicht ausschließlich günstig lauten, so liegt dies vermutlich daran, daß verschiedene andere, zum Teil minderwertige Sorten unter dem Namen Bosc's Flaschenbirne verbreitet sind. Sehr vielfach wird z. B. die Prinzessin Marianne, die wir bereits eingangs erwähnt, mit ihr verwechselt, die in der Reife früher, in der Tragbarkeit reicher, in der Frucht infolge der reichen Tragbarkeit kleiner ist, die auch nicht die Lebensdauer der Calebasse besitzt.
An den Boden stellt Bosc's Flaschenbirne nur geringe Ansprüche, sie gedeiht auch in minder guten Bodenverhältnissen noch sehr gut, im kühleren Klima besser, als im warmen.
Die Blüte erscheint spät und hat eine lange Dauer.
Die Tragbarkeit tritt nicht gar zu früh ein, ist dafür aber um so regelmäßiger. Man kann die Bosc nicht gerade eine reichtragende Sorte nennen, aber die Früchte entwickeln sich, weil sie deren nicht zu viel behält, zu einer bedeutenden Größe, der Baum erschöpft sich anderer-— seits nicht durch das Tragen und kann daher auch für das nächste Jahr wieder Tragknospen bilden, so daß man fast von einem alljährlichen Ertrage dieser Sorte sprechen kann.
Wenn auch der hängende Wuchs der Krone den Baum nicht gerade für Straßen empfiehlt, so findet man die Calebasse doch sehr viel an Straßen— besonders in der Provinz Sachsen — angebaut, sicherlich mit aus dem Grunde, weil die Früchte trotz ihrer Größe fest am Baum hängen. Auch zum Umpfropfen wertloser Sorten findet sie häufig Verwendung, weil man den Handelswert der Frucht erkannt hat und selbst bei starkem Angebot stets befriedigende Preise erhält.
Für strenge Formenzucht ist Bosc nicht sonderlich geeignet, sie verträgt infolge der langen Fruchtholzbildung und des schlechten Austriebes der Nebenaugen kein Einzwängen in regel-— mäßige Spalierformen. Auch regelrechte Pyramiden sind nicht die geeigneten Formen. Bosc will ungehindert sich ausdehnen und frei wachsen können. Da die Früchte am Hoch- und Halbstamm sich aber ebenso schön entwickeln wie an den Formenbäumen, so liegt auch kein Grund vor, sie in anderer Form anzupflanzen. Auf Quitteunterlage wächst Bosc meist nicht gut.
Trotzdem schon eine große Zahl von Stämmen der Calebasse allenthalben vertreten sind, sollte man sie immer noch weiter zu verbreiten suchen, denn
Schlechte Eigenschaften
sind von der Bosc nicht bekannt.


