Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Birne von Tongre. Reifezeit: Oktober bis November.

Name und Heimat:. Obschon diese Sorte schon 1823 aus Frankreich nach Deutschland eingefühtt wurde, hat sie doch erst in den letzten Jahrzehnten eine größere Verbreitung gefunden. In Deutschland wird sie unter dem Namen Birne von Tongern(oder nach anderer Schreibweise Tongres) und nach dem Züchter derselben auch als Durandeau geführt.

Gestalt: Groß, birnförmig, oft unregelmäßig, beulig, nach dem Kelche zu abgerundet, nach dem Stiele zu konisch zugespitzt, mit einer leichten Einschnürung bei der Fruchtlänge.

Kelch: Halboffen, in trichterförmiger fast enger Vertiefung. Die einzelnen Kelchblätter sind klein, fast wie die Farbe der Schale, rötlichbraun und hornartig fest.

Stiel: Meist schief, ziemlich dick und holzartig, erscheint wie ausgezogen und ist an der Ansatz- stelle mit einem sich nach oben verlaufenden Fleischwulste umgeben, grünbraun gefärbt.

Schale: Fest, fühlt sich rauh an, am Baum gelbbraun, später dunkelgoldgelb, an der Sonnenseite bräunlichrot; die ganze Frucht ist oft mit zimmetfarbigem Roste überzogen, aus welchem sich gelbbraune und weißgraue große Punkte sehr deutlich abheben.

Fleisch: Halbschmelzend bis schmelzend, gelblichweiß, fein und saftreich, von äußerst angenehmem, süß-säuerlichem, aromatischem Geschmack.

Kernhaus: In den verhältnismäßig kleinen Kammern befinden sich bei voller Reife kleine braun- schwarz gefärbte Kerne. Das Kernhaus wird markiert durch feine Körnchen, welche beim Verspeisen nicht sehr auffallen.

Kelchhöhle: Fast trichterförmig, tief.

Eigenschaften der Frucht.

Es gibt wenig Birnensorten mit so ausgeprägtem Aroma wie die Birne von Tongre. Sie wetteifert in dieser Beziehung mit der Grumkower und weißen Herbstbutterbirne, die sich ob ihres feinen Geschmackes bei Kennern allgemeiner Beliebtheit erfreuen. Diesen gegenüber besitzt aber die Tongre den Vorzug eines vornehmen äußeren Gewandes, während die genannten beiden Sorten teils unansehnlich, teils selten frei von Fusicladiumflecken in den Handel kommen. Für manche Gegend mögen die Früchte der Abbildung geschmeichelt erscheinen, aber in geeignetem Boden ist der braungoldige Rostüberzug mit der stellenweise durchschimmernden sattgelben Grundfarbe derartig bestechend, daß schon der Anblick der Frucht zum Kaufe reizt. Unter einer ziemlich dicken Schale birgt die Birne einen solchen Saftreichtum und einen so würzigen Ge- schmack, daß der Empfänger meistens sehr überrascht ist. Leider ist auch diese Birne eine Herbstfrucht und muß, um länger genießbar zu bleiben, in dem Zeitraum geerntet werden, wo

16