Eigenschaften des Baumes.
Die Köstliche von Charneu hat in der Baumschule einen kräftigen, aufrechten Wuchs und bildet ohne Rückschnitt der Verlängerung einen geraden, schlanken Stamm. Diesen aufstreben- den Wuchs verliert der Baum bis in sein spätes Alter nicht, er ist oft derartig himmelanstrebend, daß die Herausnahme des Mitteltriebes geboten erscheint, wenn die erforderlichen Pflückleitern nicht über das Normalmaß verlängert werden sollen. Die Seitenzweige neigen sich nach einigen Jahren oft zur Erde, um an ihren Biegungsstellen wieder neue Triebe in die Höhe schießen zu lassen. Diese Wachsiumseigentümlichkeit hat zur Folge, daß die Kronen oft die Gestalt breiter Säulen annehmen. Weiterhin ist das Hervorbringen zahlreicher sogenannter Wasserschosse aus dem alten Holze für die Sorte charakteristisch.
Nach einem etwa dreijährigen Rückschnitt der jungen Kronen geschieht die Weiterentwick- lung des Baumes fast ohne Nachhilfe.
Der aufrechte Wuchs läßt die Sorte für Straßenpflanzungen als besonders geeignet erscheinen und tatsächlich finden sich auch an vielen Landstraßen stattliche Pflanzungen der Köstlichen vor.
Aus Oldenburg, den Provinzen Sachsen, Hannover, vom Niederrhein und den östlichen Provinzen wird eine bedeutende Verbreitung der Sorte gemeldet, während sie in Süddeutschland und Hessen bisher nur vereinzelt angetroffen wird. Bei ihren Ansprüchen an die Bodenverhält- nisse ist vor allem das Bedürfnis einer gewissen Bodenfeuchtigkeit hervorzuheben, im übrigen kann man sie zu den anspruchslosen Sorten zählen. Das Holz ist fest, nicht brüchig, auch sitzen die Früchte verhältnismäßig fest bei Sturm. Die Tragbarkeit ist regelmäßig und reich.
Die Fruchtholzbildung ist eine kurze zu nennen, Fruchtruten trifft man selten an, während die Augen an den Leittrieben willig austreiben und sich zu Fruchtspießen entwickeln. Dadurch würde die Köstliche von Charneu die Eigenschaſten besitzen, eine gute Spaliersorte genannt zu werden. Trotzdem erscheint es angebracht, den Hoch- oder Halbstamm als passendste Form zu bezeichnen, da die Früchte sich an diesen freien Formen ebenso gut als vollwertige Tafel- früchte ausbilden, wie die an Formbäumen gezogenen. Außerdem hat sich die Quitte vielerorts als eine unpassende Unterlage erwiesen.
Die Blätter sind länglich eirund, schiffförmig. Die Knospen sind auffallend dick.
Für die photographische Aufnahme des in der Beilage wiedergegebenen Baumes hat ein Hochstamm gedient, der sich in einem von Herrn Grau bewirtschafteten Garten in Körbelitz Bez. Magdeburg befindet.
Schlechte Eigenschaften.
Die Köstliche von Charneu ist in gutem Boden anzupflanzen und gedeiht schlecht auf Quittenunterlage.


