Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Köstliche von Charneu.

Reifezeit: Anfang Oktober bis Mitte November.

Name und Heimat: Im Ilustrierten Handbuch wird das Dorf Charneux, Provinz Lüttich als Heimat der Köstlichen von Charneu genannt, während Diel sie von einem in der Nähe von Achen aus Samen entstandenen Baume erhalten haben will. In Deutschland ist sie weit verbreitet, meist unter obigem Namen. Im Alten Lande und Holstein geht sie auch als Bürgermeisterbirne, im Magdeburger Bezirk als Graßhoffs Leckerbissen. Abgekürzt nennt man sie oft die Köstliche.

Gestalt: Sehr wechselnd und von ganz verschiedener Größe. Meist birn- oder kegelförmig, mittel- bauchig, nach dem Kelche zu ein wenig zugespitzt.

Kelch. Offen, langblättrig in faltiger Vertiefung; die einzelnen Kelchblättchen zugespitzt, wollig, gelblich oder bräunlich gefärbt, zurückgeschlagen.

Stiel: Nach der Frucht hin stark, nach oben sich verjüngend, grün, graupunktiert, sitzt fast oben auf oder in ganz seichter Einsenkung. Die Länge ist sehr verschieden, bisweilen 40 50 mm lang.

Schale: Dünn, grünlichgelb oder bräunlich, bei ganz reifen Früchten fast zitronengelb. An der Sonnenseite strähnig gerötet mit vielen grün umkreisten Rostpunkten. Die Stiel- und Kelchhöhle ist öfter etwas berostet. Die Frucht fühlt sich rauh an.

Fleisch. Sehr fein, saftig und schmelzend, gelblich weiß, von zuckersüßem, köstlichem, weinigem Geschmack, in wärmeren Lagen besonders aromatisch.

Kernhaus., Schmal und lang, Kerne lang und zugespitzt. Oft ist nur eine verwachsene Kern- hauskammer vorhanden.

Kelchhöhle: Flach, faltig oder höckerig, meist einseitig abfallend, sie erscheint dadurch schief.

Eigenschaften der Frucht.

Weniger durch ein ausgesprochenes Aroma als vielmehr durch das schmelzende, angenehm süße und saftreiche Fleisch ist die Köstliche von Charneu als eine feine Tafelfrucht fast allgemein geschätzt. Besonders in den Küstenländern und in den mitteldeutschen Provinzen, weniger in den klimatisch wärmeren Strichen des Südens scheint sie dem NamenKöstliche Ehre zu machen. Wenigstens stellt der Rheingau sie nur als halbschmelzende Frucht in die Reihe der Tafelsorten. Auf dem Hamburger Markt ist sie sehr begehrt und erzielt hohe Preise, auch die Züchter der Magdeburger Gegend sind mit dem Gelderlös durchaus zufrieden, während ander- wärts Klagen laut werden über schwierigen Absatz. Die Köstliche von Charneu ist eine Oktober- birne und muß mit vielen guten anderen Sorten gleichzeitig in Wettbewerb treten. Bei sehr zeitiger Ernte läßt sich die Haltbarkeit um mehrere Wochen verlängern, der Versand kann als- dann auch ohne die Gefahr des Verderbens auf weite Entfernung bewirkt werden, während die in der Vollreife verpackten Früchte sehr bald der Fäulnis anheimfallen. Die Früchte haben meist eine gleichmäßige Entwicklung und Größe, sie scheinen von Krankheiten nirgends heim- gesucht zu werden.

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