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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Gute Graue.

Reifezeit: Anfang September.

Name und Heimat: Im 18. Jahrhundert ist die Gute Graue als Grise bonne oder Beurré gris aus Frankreich nach Deutschland eingeführt worden und hat eine sehr große Verbreitung gefunden. Sie geht auch unter dem Namen Graue Sommerbutterbirne in Brandenburg, als Grauchen in Ostpreußen, als Schöne Gabriele in Mecklenburg und Anhalt, als Jütte Peer in Oldenburg, Judenbirne in Westfalen und Detmold, als Schnuckelchesbirne in der Rheinprovinz, als Pickelsbirne im Westerwald. Als Sommer- Ambrette, Grisbirne, Graubirne, Eisenbart, Sommerambrette, Weinbirne kommt sie auch in einzelnen Be- zirken vor.

Gestalt: Die fast kreiselförmige, mittelbauchige, nach dem Stiele zu mehr zugespitzte Frucht wird nur mittelgroß, etwa 35 40 mm breit, 55 60 mm hoch.

Kelch: Groß, offen, in flacher Einsenkung. Die einzelnen Kelchblätter sind fast hornartig, lang- gespitzt, grauwollig, sternförmig und weit zurückgeschlagen.

Stiel- Dick, 30 35 mm lang, dunkelbraun, mit kleinen Knötchen besetzt, meist schief stehend, erscheint wie obenauf gesetzt oder in ganz schwacher Vertiefung.

Schale: Sehr dick, gelbgrün, am Baum meist grasgrün, fast ganz mit zimmetfarbigem Rost über- zogen, an der Sonnenseite vereinzelt schwach gerötet. Bei zunehmender Reife erscheinen auf der Schale eine Menge ziemlich großer weißgrauer Pünktchen, die für die Frucht charakteristisch sind.

Fleisch: Schmelzend, äußerst saftig, mattweiß von angenehmem, süßem, durch feine Säure gewürz- tem Geschmack, um das Kernhaus herum oft sehr körnig.

Kernhaus. Nach dem Kelche mehr zugespitzt, nach dem Stiele zu abgerundet, sodaß es eine muschelförmige Gestalt annimmt. Kerne klein, auch an Zahl, oft taub.

Kelchhöhle: Geräumig, doch flach.

Eigenschaften der Frucht.

Die Gute Graue gehört zu denjenigen Frühbirnen, welche im Norden und Osten Deutsch- lands von Jedermann gekannt und wegen ihres vorzüglichen Aromas geschätzt werden. Sie führt dort vielfach den Namen Weinbirne, weil nach Entfernung der sehr dicken, lederartigen Schale das Fleisch, auf der Zunge schmelzend, einen weinigen Geschmack besitzt. Die Haltbarkeit der Birne ist nicht groß, sie muß bald verzehrt werden und deshalb macht der Absatz bei reicher Tragbarkeit etwas Schwierigkeit. Die Frucht gibt aber ein so vorzügliches Dörrprodukt, daß man dadurch für die roh nicht mehr verkäuflichen Früchte eine gute anderweitige Verwendung hat.

Die Gute Graue gehört nicht etwa zu den in der Jetztzeit bei Anpflanzung viel verwendeten Sorten, da die Frucht zu klein und auch zu unscheinbar ist. In Badeorten wird sie viel zum Verkauf angeboten und von Kennern infolge ihres köstlichen, saftigen Geschmackes auch gern gekauft. An solchen Plätzen erzielt sie hohe Preise, sonst ist der Preis nur ein mittlerer zu nennen.

Die Früchte auf der Abbildung haben einen zu grünen Grundton, sie sind in der Regel viel mehr und gleichmäßiger berostet.

Eigenschaften des Baumes.

Der Baum bildet schöne, wüchsige Stämme, die nur in den ersten Jahren eines Rück- schnittes bedürfen, dann aber sehr bald eine riesenhafte Gestalt annehmen, mit breiter hoch- kugeliger Krone. Die Aeste stehen sparrig und machen nur selten ein Ausputzen, einen Rück- schnitt(Verjüngen) nie nötig. Gute Graue ist eine Sorte, die Platz braucht, da die Aeste weit auslegen, zur Straßenanpflanzung verwende man sie nur, wenn die nötige Breite zur Ausdehnung der Krone vorhanden ist. Sie bevorzugt einen tiefgründigen, nicht zu trockenen Boden. Bei Kiesunterlage bleiben die Früchte kümmerlich und bekommen auch nicht das ihr sonst eigene Aroma.

Im feuchten Klima werden die Früchte wohlschmeckender. In Gebirgslagen sollte man die Sorte weit mehr anpflanzen.

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