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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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gemeinern und die zufällige gute oder schlechte Eigenschaft eines oder auch einiger Bäume als den Charakter der Sorte hinzustellen. Wir glaubten, diese Ausführungen gerade unserer Beschreibung der Großen Casseler Renette vorausschicken zu sollen. Auch ihr Charakterbild von der Par- teien Gunst und Haß verwirrt schwankt in der Geschichte der Obstsorten. Eine jede Sorte hat ihre guten und schlechten Seiten, eine jede stellt ihre Bedingungen an Boden und Lage.

Ein besonderer Vorzug der Frucht ist ihre lange Haltbarkeit und ihre Widerstandsfähigkeit gegen Welken und Faulen. Die Lagerreife tritt im Februar ein und währt bis zum Juni und Juli. Der Geschmack der Frucht ist vom Februar an ein guter. Während an jüngeren Bäumen die Früchte eine ansehnliche Größe erreichen, werden sie in späteren Jahren kleiner und auf schlechtem, zu trockenem Boden bei dem übermäßig großen Fruchtansatz oft für den Verkauf zu klein. Andererseits werden von vielen tüchtigen Fachleuten unter unseren Mitarbeitern auch heute noch die mannigfachen guten Eigenschaften der Großen Casseler Renette gerühmt.

Eigenschaften des Baumes.

Der Baum zeigt schon in der Baumschule einen schönen, aufrechten, aber nur mittelmäßig starken Wuchs. Das Holz ist dünn, aber fest, die jungen Triebe sind an den zahlreichen, scharf abgegrenzten hellen Punkten auf der rötlichbraunen Rinde kenntlich. In den ersten Jahren empfiehlt sich ein Rückschnitt der Leittriebe, dann baut sich die Krone schön hochkugelig auf. Das Blatt ist klein, hellgrün gefärbt und leidet in manchen Gegenden, ebenso wie die Frucht, stark unter Fusicladium. Die Urteile der Fachleute widersprechen sich aber gerade bei dieser Sorte so sehr, daß die Casseler Renette anderwärts als eine gegen Fusicladium widerstandsfähige Sorte bezeichnet wird.

Auch hinsichtlich ihres allgemeinen Gedeihens gehen die Meinungen weit auseinander. Die einen empfehlen die Casseler Renette für jeden Boden, die andern möchten sie am liebsten aus den Anbausortimenten gänzlich gestrichen haben. So lange der Holzwuchs kräftig ist, erreichen die Früchte eine ansehnliche Größe, mit dem Nachlassen desselben werden auch die Aepfel kleiner, bis sie oft in Büscheln sitzend so klein sind, daß die Ernte kaum lohnt. In schwerem, nahr- haftem Boden wird dies nicht geschehen, sondern nur in leichtem, wo es gleichzeitig an der nötigen Düngung und Feuchtigkeit fehlt.

Die Casseler Renette hat gerade in trockenen Jahren gezeigt, was sie auszuhalten vermag, wenn auch ein kräftiger, mäßig feuchter Boden ihr mehr zusagt.

Als Straßenbaum ist die Sorte sehr geeignet. Der Wuchs ist hochkugelig, das Holz gegen Stürme sicher und die Früchte hängen fest. Der einzige Nachteil für diesen Zweck ist die spät vorzunehmende Ernte(Mitte bis Ende Oktober). Die Frucht ist gegen Diebstahl sicher, da sie vom Baume ungenießbar ist, sie ist gut zum Versand geeignet, welkt nicht leicht auf dem Lager, wenn die Ernte spät genug erfolgte.

Casseler Renette gehört zu den Früh- und Massenträgern, kommt in rauhem Klima noch gut fort, ist für Formobstzucht und Buschkultur wohl geeignet, indem sie reichlich und kurzes Fruchtholz bildet, nur wird der Wert der Frucht in besseren Lagen nicht mehr als ausreichend bezeichnet werden können, dort wird sie besser durch andere Sorten ersetzt. Die Blüte erscheint ziemlich spät und dauert lange. Die Photographie des Baumes stammt aus dem Diemitzer Prov. Obstgarten.