Adersleber Calvill.
Reifezeit: November bis März, April.
Namen und Heimat:- Auf dem Klostergute Adersleben, im Kreise Oschersleben, wurden nach stattgefundener Befruchtung eines Calvillhochstammes mit dem Gravensteiner, welche Amtsrat Meyer, der Pächter des Gutes, Ende der dreissiger Jahre des vorigen Jahrhunderts durch seinen Gärtner aus-— führen liess, drei Sämlinge gezogen, weiche als Aderslebener Calvill Sämlinge Nr. I, II und III be— zeichnet wurden. Die Verbreitung dieser Sämlinge in grötzerem Maße erfolgte erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts und hat von da ab rasch zugenommen. Da es sich um drei wesentlich verschie- dene Sorten handelt, so wird die Bezeichnung I, II und III in der nachfolgenden Beschreibung aus- einander gehalten werden.
Gestalt: Die Früchte von lI und III haben eine mehr breite als hohe Gestalt und erreichen als Hochstammfrüchte 60— 65 mm Durchmesser. Merklich hervortretende Rippen ziehen sich vom Kelch aus über die halbe Frucht hin. Nr. II hat ausgesprochene Calvillform mit den bekannten, stark aus- geprägten Rippen. Die Stielwölbung bei l und II ist tief und eng, bei III flacher und weiter.
Kelch: Bei allen drei Sorten halboffen bis geschlossen. Tief, meist in leichter wolliger Ein- senkung. Kelchblätter hellbraun, gut ausgebildet, nach außen gebogen, eingefaßt von zahlreichen Rippen und Falten.
Stiel- Lang, mittelstark, holzig, braun, etwas wollig, in einer tiefen Einsenkung. Nr. III hat etwas kürzeren Stiel in flacher Höhle.
Schale: Beil und III mattglänzend gelb, sonnenwärts mit verwaschenem Rot überzogen, das Rot hat aber eine wesentlich mattere Färbung als die beiliegende farbige Abbildung. Starke braune Punkte treten auf der Sonnenseite und nach dem Kelche hin, namentlich bei III, hervor. Feine Spuren von Rost, besonders in der Umgebung des Kelches, sind bei vielen Früchten vorhanden.
Die Schale von II ist mattgelb und läßt die Calvillabstammung recht deutlich erkennen. Röte und Rostspuren sind äußerst selten.
Fleisch: Hellgelblich, saftig, sehr mürbe, fein gewürzt. Am zZartesten ist das Fleisch von Nr. II, es erinnert auch im Geschmack am meisten an den Calvill, während dasjenige von l und III fester ist. Kernhaus: Zwiebelförmig, offen, Kerne mittelgroß, dunkelbraun, lang zugespitzt, zahlreich.
Kelchhöhle: Trichterförmig bei l, bei II und III flach.
Eigenschaften der Frucht.
Das Bemühen um einen Ersatz für den weißen Wintercalvill, dort, wo der Anbau dieses hochgeschätzten Apfels aussichtslos ist, hat drei Sämlinge entstehen lassen, die voraussichtlich für die Zukunft von hoher Bedeutung sein werden. Der Adersleber ist nur zu kurze Zeit er— probt, als daß bereits abschließende Urteile vorliegen könnten. Die Hauptverbreitung hat er in der Provinz Sachsen, seinem Ursprungsland, gefunden, und fast überall schätzt man ihn dort
77


