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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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eingemietet, der beste Beweis, daß sie sehr unempfindlich ist und eine lange Lagerung leicht übersteht. Die Haltbarkeit dauert sehr lange, die Lagerreife tritt gewöhnlich erst im November oder Dezember ein. Die Frucht hält sich bis April Mai. Auf den Märkten der Rheinprovinz erzielt der Rote Bellefleur durch seine bestechende Farbe und die bekannte Haltbarkeit höhere Preise als viele andere Sorten. Die Nachfrage nach Rotem Bellefleur nimmt ständig zu. Alle diese Eigenschaften haben ihn sehr beliebt gemacht, sie tragen dazu bei, daß er heute sehr viel angepflanzt wird.

Eigenschaften des Baumes.

Der rote Bellefleur wächst in der Baumschule sehr langsam und bildet keine guten Stämme. Er wird daher 2zweckmäßig auf Zwischenveredlungen guter stammbildender Sorten veredelt. Er zeichnet sich durch eine außerordentlich gesunde Belaubung aus und bleibt fast in jedem Boden gesund. Die vielen herrlichen Kronen des Roten Bellefleur mit ihrer gesunden, vollen Belaubung bilden eine charakteristische und schöne Erscheinung rheinischer Obstanlagen. In trockenem Boden bleiben die Früchte etwas klein; mäßig feuchter Boden verdient zur Anpflanzung entschieden den Vorzug. Sowohl in Höhenlagen als auch in Tälern gedeiht der rote Bellefleur vorzüglich. Baumwiesen, die nur bei sehr wenigen Sorten lohnende Erträge liefern, und Täler, die vom Nebel durchstrichen werden, ganz besonders aber Lagen, die unter Spätfrösten zu leiden haben, bilden für diese Sorte noch geeignete Pflanzstätten. Infolge der spät eintretenden Blüte, die fast keine andere Sorte in gleichem Maße zeigt, sind die Erträge auffallend regelmäßig.

In den ersten Jahren nach der Pflanzung verlangt der Rote Bellefleur wiederholten, nicht zu kurzen Rückschnitt und bildet darauf eine schöne, gleichmäßige Krone. Die Zweige sind dünn und leicht und verleihen der Sorte in der Jugend einen etwas hängenden Charakter. Ein Verjüngen ist nicht notwendig. Aus den herunterhängenden Zweigen entstehen an den Biegungs- stellen wieder aufwärts stehende Triebe, die für eine Verjüngung des Baumes ohne Nachhülfe sorgen. Die Form der Krone ist eine breite, kugelförmige und für Straßenpflanzung nicht geeignet.

Die Beilage gibt dies zu erkennen. Der abgebildete Baum ist 53 Jahre alt, er steht in Fremersdorf, Kreis Saarlouis.

Zur Zwergbaumzucht und Buschobstkultur ist diese Sorte nicht zu empfehlen, da ihre Frucht nicht edel genug ist. Die Tragbarkeit beginnt spät, ist dann aber eine sehr regelmäßige und setzt selten aus.

Der Rote Bellefleur ist ein Spätblüher; wenn andere Sorten bereits verblüht haben, beginnt er erst seine Blüten zu entfalten, am Rhein Ende Mai, Anfang Juni. Die Blütezeit dauert sehr lange. Infolge des langsamen Verblühens liefert diese Sorte auch in ungünstigen Jahren noch ganz gute Erträge. Die Fruchtholzbildung ist kurz.

Der Rote Bellefleur hat durch seine gesunde Belaubung sehr wenig von Ungeziefer und Krankheiten zu leiden. In der Rheinprovinz zählt er zu den widerstandsfähigsten Sorten. Fusi- cladium und Blutlaus sind an ihm nicht beobachtet worden. Für den landwirtschaftlichen Obst- bau, für Massenkulturen ist der Rote Bellefleur von großem Werte. Seine Verwendung in hohen Lagen, in tiefen Tälern mit Spätfrösten, die große Unempfindlichkeit und Haltbarkeit der Frucht, verschaffen ihm in der Rheinprovinz ein immer größer werdendes Ansehen.