Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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den Sorten, welche durch ihr Aeußeres geradezu bestricken. Die glänzende zitronengelbe Schale zeigt die eigenartigen hell schimmernden, teils auch hellbräunlichen, an vielen Früchten leicht rosa gefärbten Punkte. Das feine gelblich weiße Fleisch ist mürbe und von renettenartigem Geschmack. Im Dezember und Januar hat der Apfel die Höhe seines Wohlgeschmackes erreicht, er hält sich freilich noch gut bis in den März, er ist dann aber schon zu mürbe. Unter günstigen Verhältnissen aufgewachsen, liefern Bäume der Sorte sowohl an Hoch- und Halbstämmen als an Formenbäumen fast nur gleichmäßig vollkommene Früchte, welche auch nicht sehr empfindlich beim Versand sind, so lange die volle Lagerreife noch nicht eingetreten ist.

Nach Eintritt der letzteren sind die Früchte allerdings sehr empfindlich. Ein Vorzug des gelben Bellefleur ist es, daß seine Früchte, wie nur wenige andere edler Tafeläpfel, sturmsicher sind. Der Schönheit der Früchte entsprechend werden diese überall gefragt und hoch bezahlt.

Eigenschaften des Baumes.

Der gelbe Bellefleur ist in den Baumschulquartieren schön, aber doch nicht stark wachsend. Er liebt es, sehr schlank in die Höhe zu wachsen und dünne Stämme zu bilden. Die Knospen sitzen dicht zusammen, treiben willig aus, infolgedessen ist der Stamm mit zahlreichen dünnen Ruten besetzt. Nach der Pflanzung an seinen Standplatz sollte man ihn mehrere Jahre zur Er- zielung eines kräftigen Kronenaufbaues zurückschneiden. Sobald die Tragbarkeit einsetzt, verträgt die Sorte einen starken Rückschnitt nicht mehr, weil sie besonders an den Endknospen reichlich blüht und trägt. Die Augen treiben nach dem Schnitt gut aus und geben fast zu zahlreiche lange Fruchtruten. Schon nach wenigen Jahren erhält man überaus buschige, dichte Kronen mit aus- gesprochen hängendem Charakter. Die vielen im Inneren entstehenden langen dünnen Ruten, die kreuz und quer durcheinander wachsen, machen ein wiederholtes Auslichten erforderlich.

Der Baum verlangt feuchten Boden; nur in einem solchen ist die Tragbarkeit regelmäßig, und dann oft sogar reich. Wenn der Boden nur feucht ist, nimmt die Sorte auch mit weniger gehaltvollem Boden, sogar mit feuchtem Sandboden fürlieb. Auf trockenem und dabei gar leichtem Boden ist ein dauernd gesundes Wachstum sowie regelmäßige Tragbarkeit ausgeschlossen. Gelber Bellefleur verlangt ähnlich feuchten Standort wie der Gravensteiner.

Die Blüte gehört zu den mittelfrühnen und ist von nur kurzer Dauer.

Die Tragbarkeit ist wohl eine regelmäßige, aber keine reiche. Der Bellefleur trägt im all- gemeinen zu wenig und sollte nur da in das Sortiment für Massenanbau aufgenommen werden, wo ausreichende Erfahrung über befriedigende Tragbarkeit vorliegt. Für Straßenpflanzungen eignet er sich wegen seines hängenden Wuchses durchaus nicht. Ein Vorzug des gelben Bellefleur ist es, daß er fast nur gleichmäßig vollkommene Früchte ausbildet. Die Früchte sitzen fest, aber trotzdem gehört diese Sorte nicht in windige Lagen, weil die an der Spitze der dünnen schwanken- den Fruchtruten sitzenden Früchte vielfach durch Anschlagen und gegenseitiges Reiben leiden.

Für regelmäßige Formen ist die Sorte nicht geeignet, sie liebt weder den regelmäßigen Schnitt, noch ist sie für Formenobstbäume dankbar genug. Dagegen liegen zahlreiche Erfahrungen vor, welche sie für Buschobstkultur brauchbar erscheinen lassen.

Eine Verjüngung ist bei dieser Sorte gut angebracht, sobald ein Baum Zeichen von Er- schöpfung zeigt. Je nach dem Standorte, den Bodenverhältnissen und nach seiner Ernährung