Teil eines Werkes 
Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Canada-Renetten am Rhein, in Hessen und Süddeutschland regelmäßig aufkaufen. Als französische Kabinettfrüchte werden sie dann zu den höchsten Preisen in der sorgfältigen und geschmack- vollen, den Franzosen eigenen, Packung weiter verkauft, häufig genug auch an deutsche Deli- katessengeschäfte. Ueberall auf deutschen Märkten gilt dieser Apfel als Handels- und Tafel- frucht allerersten Ranges und erzielt als solche bei großer Nachfrage stets die höchsten Preise. Es gibt Obstkenner, welche ihren Geschmack noch über den des Weißen Winter-Calvill stellen. Die Canada-Renette muß, um nicht zu welken, spät in der Regel nicht vor Mitte Oktober geerntet und gut gelagert werden. Sie ist an ihr zusagendem Standort eine sehr dankbare, fast alljährlich tragende Sorte, welche nur sehr wenig Ausfall an Früchten zweiter und geringerer Qualität liefert. Auch sind die Früchte fast sturmsicher und wiegen, im Verhältnis zu anderen, gleich großen Aepfeln, schwer.

Eine sehr schöne Abart ist die gestreifte Canada-Renette. Ihre Früchte zeigen über den ganzen Apfel verlaufende, schön gelbe und an der Sonnenseite herrlich rosa gefärbte Streifen, eine Färbung, welche den Verkaufswert der Frucht ganz bedeutend erhöht.

Eigenschaften des Baumes.

Der Baum zeigt in der Baumschule wohl einen kräftigen Wuchs, aber er bildet selten einen geraden Stamm und eine regelmäßige Krone. Bei dem notwendigen mehrjährigen Rückschnitt treiben die Augen kräftig aus, die Kronenbildung bleibt aber sehr unregelmäßig und bedarf der Nachhilfe durch Formieren. Für Straßenpflanzungen eignet sich die Sorte mit ihrer breitgehen- den flachen Krone und den sehr hängenden Aesten nicht(siehe die Abbildung). Sie liebt tiefgründigen nahrhaften Boden und warme geschützte Lage. Nur für diese kann sie zum größeren Anbau empfohlen werden. Das gilt im besonderen für Norddeutschland. Man findet aber auch dort unter geeigneten Verhältnissen oft alte prächtige Bäume der Canada-Renette, welche ihren Besitzern regelmäßig hohe Erträge liefern. Auf leichtem, ungedüngtem, zu trockenem Boden und in rauher Lage leidet der Baum ebensowohl durch Frost, als auch an Gipfeldürre. Eine Verjüngung der Kronen älterer Bäume ist bei der Sorte nicht angebracht. Der Baum auf unserer Beilage hat seinen Standort in einer Obstallee des Herrn Domänenrat Meyer-Friedrichs- werth, im Herzogtum Gotha.

Für Formbäume jeder Art ist die Canada-Renette sehr geeignet, weil sie kurzes Fruchtholz bildet und in allen Formen, wenn auch nicht reich, so doch regelmäßig trägt und schöne Früchte lieſert. Sie verlangt jedoch immer Raum für ihre Ausbreitung.

Die Blüte erscheint mittelspät bis spät. Sie blüht langsam auf und dauert mitunter mehrere Wochen. Sie ist besonders widerstandsfähig gegen alle Unbilden der Witterung, so daß man

auch bei ungünstigem Frühjahrswetter auf Ernten rechnen kann. Ein Ausbrechen von Früchten an Formobstbäumen bald nach dem Fruchtansatz ist nicht nötig, weil der Baum an jedem Frucht- stand alle bis auf eine oder zwei Früchte abwirft.

Das Blatt ist sehr groß, lederartig, fusicladiumfrei, glänzend-dunkelgrün, rund bis eiförmig. Der Baum fällt schon durch seine dichte Belaubung auf.

Von Blattkrankheiten wird die Canada-Renette wenig heimgesucht.