Eigenschaften der Frucht.
Geraumer Zeit hat es bedurft, ehe die Cox' Orangen-Renette den würdigen Platz erhielt, den sie ob ihres vortrefflichen Geschmackes verdient. Wer die Frucht kennt, wird sie mit Gravensteiner und weißem Wintercalvill als einen äußerst würzigen, im zeitigen Herbst schon genießbaren und bis ins späte Frühjahr hinein durch Vollsaftigkeit und Frische ausgezeichneten Apfel hochschätzen. Der Kenner zahlt die höchsten Preise, aber den großen Markt muß sich die Sorte noch erobern, da sie vor allem zur Zeit der Baumreife kein so lachendes Außere hat, wie manche andere Früchte. In letzter Zeit hat sich die Zahl der Anhänger gewaltig vermehrt, und es gibt unter diesen fast nur das eine Urteil über die Cox':„Ein herrlicher Apfel.“ Die Früchte erlangen, wenn die Bäume in einem ihnen zusagenden Boden stehen, meist eine gleich- mäßige, vollkommene Entwicklung und zwar ebenso an Halb- und Hochstämmen, wie am Formbaum. Wie die Zwiebeln sitzen sie oft an einzelnen Zweigen aneinander gereiht und sind dabei doch ziemlich sturmsicher. Die Früchte welken nicht auf dem Lager und lassen sich, wenn ihre Reife nicht zu stark vorgeschritten ist, gut versenden. Mitunter wird darüber geklagt, daß die Früchte rissig werden und auch glasige, wie von Sonnenbrand herrührende Flecken bekommen. Bisher sind diese Beobachtungen sehr vereinzelte geblieben.
Eigenschaften des Baumes.
Wenn Cox' Orangen-Renette auch nicht starkwachsend genannt werden kann, so bildet sie in der Jugend doch recht bald kräftige, buschige Kronen mit langen, dünnen Seitenzweigen. Der Austrieb der Seitenaugen ist auch ohne Rückschnitt der Leittriebe ungemein stark. Trotz- dem empfiehlt es sich, den Rückschnitt einige Jahre hindurch vorzunehmen. Die langen Ruten würden anderenfalls unter der Last ihrer Früchte zu sehr herunterhnängen. Zur Kultur von freistehenden Bäumen jeder Art ist Cox' ebenso geeignet wie für strenge Formenzucht. Der Fruchtansatz ist auch bei kurzem Schnitt befriedigend, wenngleich sich die Cox' dort wohler zu fühlen scheint, wo sie sich frei und zwanglos entwickeln kann.
Die Blüte erscheint ziemlich spät und dauert verhältnismäßig lange.
Die Fruchtbarkeit setzt auffallend früh ein, ist überaus groß und regelmäßig. Eine baldige Erschöpfung ist die natürliche Folge, sobald nicht Reichtum an Nährstoffen vorhanden ist. Cox' sollte daher in kräftigen, nahrhaften, nicht zu trockenen Boden gepflanzt oder regelmäßig und stak gedüngt werden. Ebenso wie bei den Goldparmänen wird ein Verjüngen der Kronen frühzeitig, das heißt sobald der Trieb ganz stockt und die Früchte klein bleiben, vorgenommen werden müssen. In kalkhaltigem und verwittertem Gebirgsboden erhalten die Früchte eine prächtige Farbe.
Die Blätter erinnern an die Muskat-Renette, mit der die Cox' auch verwandt ist. Die farbige Beilage gibt in ganz vorzüglicher Weise den Charakter eines jungen Triebes und des Laubes wieder.
Die photographischen Aufnahmen stammen aus dem Diemitzer Prov.-Obstgarten und geben einen Blick in eine Halbstammpflanzung auf Doucin- und Wildlingsunterlage. In der Provinz Sachsen sind Tausende von Bäumen dieser Sorte gepflanzt, auch in Holstein und in der Mark Brandenburg ist sie schon zahlreich verbreitet. In dem holsteinschen Marschboden gedeiht sie besonders gut.
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