Eigenschaften des Baumes.
Der in der Baumschule schwach wachsende Baum bildet eine flachkugelige, kleine Krone. In kräftigem, nahrhaftem, feuchtem Boden ist die Muskatrenette meist gesund und bringt be- friedigende Ernten. In dürftigem und trockenem Boden dagegen wächst sie kümmerlich, blüht zwar fast jährlich überreich, doch entspricht die Tragbarkeit nicht immer ihrer Blütenfülle. Der Baum wird leicht gipfeldürr, krebsig und erschöpft sich sehr schnell. Ein Auslichten ist not- wendig zum Zweck der vollkommeneren Entwicklung. Dagegen ist von einem Verjüngen des Baumes Abstand zu nehmen. Kräftige Düngung ist das beste Mittel, die Muskatrenette saftig zu halten und die Früchte größer werden zu lassen.
An den wolligen, schlanken Sommertrieben mit lanzettförmigen weidenähnlichen Blättern ist der Baum in belaubtem Zustande erkenntlich. Die Blätter sind wie die der Cox' Orangen- Renette nach innen gebogen. Im Winter sind die zahlreichen wolligen Blütenknospen an dem über den ganzen Baum verteilten, dicht gedrängten Fruchtholze ein charakteristisches Erkennungs- zeichen der Sorte.
Die kleine mit schmalen Blütenblättern ausgestattete Blüte erscheint mittelfrüh und ist nicht empfindlich, selbst wenn dieselbe von einem verspätet eintretenden Schneefall betroffen wird.
Die Sorte eignet sich infolge der leichten Fruchtholzbildung für alle Formen, die keinen zu großen Platz auszufüllen haben. Für Hochstammzucht ist die Muskatrenette weniger, wohl aber für Halbstammzucht zu empfehlen. Die Abbildung des Baumes stammt aus den Anlagen des Herrn Brendtke-Gerwisch bei Magdeburg und zeigt einen ausnahmsweise üppigen Wuchs.
Die Muskatrenette ist vor allen Dingen noch eine Sorte für die trockenen Böden Nord— deutschlands. Gegen Sturm sind die Früchte unempfindlich und lassen sich gut versenden.
Schlechte Eigenschaften.
Der Baum leidet, wie sehr viele unserer feinsten Sorten, an Krebs, ohne aber daran zu grunde zu gehen, wächst langsam und schlecht, verlangt guten nahrungsreichen Boden, erschöpft sich sehr schnell. Die Früchte einer Ernte sind sehr verschieden, sehr viele von ihnen klein und unverkäuflich, höchstens zur Herstellung von Apfelwein verwendbar. Der Baum wirft viel un- entwickelte Früchte ab und verdient daher zum allgemeinen Anbau keine Empfehlung.
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