Eigenschaften des Baumes.
Bis zum Beginn ihrer Tragfähigkeit wächst die Goldparmäne sehr kräftig. In der Baum- schule liebt sie keinen Rückschnitt. Junge Kronen müssen aber der besseren Astbildung wegen einige Jahre geschnitten werden. Die Sorte hat die Eigentümlichkeit, die Gipfelknospe zu einem starken Triebe auszubilden, die unter ihr befindlichen Knospen jedoch zu kurzen Fruchtspießen zu entwickeln. Sehr zum Schaden einer wünschenswerten stärkeren Kronenausbildung beginnt die Fruchtbarkeit sehr früh, und mit deren Eintritt hört das anfänglich sehr lebhafte Wachstum des Baumes auf. Es ist deshalb ratsam, dem jungen Baume die Blüten auszuschneiden und ihn durch richtigen Schnitt und durch Düngung zu zwingen, in den ersten 6—8 Jahren möglichst kräftig ins Holz zu wachsen. Die Kronenform ist eine hochkugel- oder stumpfpyramidenförmige. Die sehr kräftigen, seitlich nur wenig abstehenden Aeste sind immer mit regelmäßigem, kurzem Fruchtholz besetæt.
Die Blüte erscheint mittelfrüh, verläuft ziemlich langsam und ist widerstandsfähig. Die Blätter sind ziemlich groß, eiförmig, von dunkelgrüner Färbung.
Ihre außerordentlich große, schon zeitig und früher als bei allen anderen Sorten ein- tretende und alljährlich wiederkehrende Fruchtbarkeit, sowie die Schönheit ihrer für jede Ver- wendung geeigneten Früchte, haben der Goldparmäne zu der weiten Verbreitung über ganz Deutschland verholfen. Erst nach manchen Mißerfolgen ist man zu der Einsicht gelangt, daß die Goldparmäne durchaus keine Sorte ist, welche zum Massenanbau für alle und jede Boden- art und Lage empfohlen werden darf. Sie verlangt zu ihrem Gedeihen und zur Erzeugung guter Verkaufsfrüchte einen nahrhaften Boden, welcher auch einigermaßen Feuchtigkeit hält. Sie ver- sagt auf sehr schwerem und dabei feuchtem, tonhaltigem und ebenso auf jedem zu trockenen, sandigen, armen Boden. In dem letzteren Falle erschöpft sie sich durch ihre übergroße Frucht- barkeit zu früh in ihrem Wachstum. Das hohe Alter anderer Apfelsorten erreicht sie nicht. Ge- sunde, kräftige, ältere Bäume der Goldparmäne findet man sehr selten und dann nur unter Ver- hältnissen, die ihr ganz besonders zusagen, z. B. in Hausgärten bei richtiger Pflege und reich- licher Düngung.
Um älteren, erschöpften Bäumen zu neuem Wachstum zu verhelfen, ist eine kräftige Ver- jüngung angebracht. Vielfache Erfahrungen lehren, daß solche Verjüngung je nach der Be- schaffenheit des Baumes nach 10— 16, auch nach 20— 25 Jahren mit Erfolg vorgenommen werden kann. Allerdings kehrt in den Berichten unserer Mitarbeiter öfters die Mahnung wieder, das Verjüngen zu unterlassen, weil oft ein Absterben der Bäume damit verknüpft ist, und statt dessen lieber der Goldparmäne reichlich Dünger zuzuführen. Ganz besonders eignet sich die Gold- parmäne zum Pfropfen auf ältere Bäume anderer Sorten.
Vermöge ihres pyramidenförmigen Wuchses ist die Goldparmäne der gegebene Straßen- baum. Man sollte sie aber nur dort anpflanzen, wo der Boden genügenden Reichtum an Nähr- stoffen besitzt, da eine Düngung der Straßenbäume immer mit Schwierigkeiten verknüpft ist.
Das verlockende Aussehen der Frucht am Baume sollte niemanden veranlassen, diese Sorte von der Straßenpflanzung auszuschließen, ebensowenig der Umstand, daß sie bei ihrem schwach ausgebildeten Wurzelvermögen lange eines Pfahles bedarf.
Die beigefügten Abbildungen zeigen eine mustergültige Straßenpflanzung der Gold- parmäne im Kreise Sangerhausen und einen einzelnen Baum aus der Anlage des Herrn Demelius- Sangerhausen.
Für Formbäume aller Art ist die Goldparmäne bei ihrer Eigenschaft, kurzes Fruchtholz zu bilden, wie geschaffen und auch für Buschobstkultur gibt es keine geeignetere Sorte. Um bei


