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Lfg. 1 (1905) - (19XX) Deutschlands Obstsorten. Lfg. 1 (1905) -
Entstehung
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Gravensteiner.

Reifezeit: Anfang Oktober bis Ende Dezember-Januar.

Name und Heimat: Der Gravensteiner ist nach seinem wahrscheinlichen Entstehungsort, dem

FleckenGravenstein, im Kreise Apenrade der Provinz Schleswig-Holstein, benannt. Unter diesem Namen ist er sehr viel in allen Ostsee-Küstenländern und auch sonst in Norddeutschland, weniger in Mittel- und Süddeutschland verbreitet. Auch wird er als Grafenapfel in Württemberg, Sommerblumen- Calvill in Hannover, Blumen-Calvill in Bayern, Haferapfel, Sommer-Calvill in Baden, Ernte- Apfel im Elsaß geführt.

In Dänemark, in Schweden und Norwegen werden Gravensteiner und die aus Sämlingen hervor- gegangenen Spielarten desselben viel angetroffen. Amerika führt Gravensteiner zu uns ein, die schwerer sind, aber alle Eigenschaften unseres Gravensteiner besitzen.

Gestalt: Gut ausgebildete Früchte von Hoch- und Halbhochstämmen haben, selbst von alten 50- und mehrjährigen Bäumen, die Grösse von 6575 mm. Die Frucht ist von abgestumpfter, calvill- artiger Gestalt, aber immer mehr hoch als breit. Einzelne Rippen und Wölbungen treten stark hervor, die Stielwölbung ist breiter als die Kelchwölbung.

Kelch: Halb offen, an reifen Früchten geschlossen. Groß, in leicht wolliger, tiefer und enger Ein- senkung, eingefaßt von dicht zusammenlaufenden, sehr ausgeprägten Rippen.

Stiel- Braungrün, kräftig, kurz, etwas wollig, in einer tiefen und engen Höhlung.

Schale: Anfangs leicht hell grüngelb, dann glänzend lebhaft-gelb. An Sonnenfrüchten wenige, kurze, karmesinrote, ziemlich breite Streifen und Tüpfchen. Die Röte fehlt auch häufig ganz. Die Frucht welkt nicht und ist von prächtigem, nur dem Gravensteiner eigenen Geruch. Reife Früchte sind mit einem Fetthauch überzogen.

Fleisch: Hellgelb, fast weiß. Unter der Schale und in der Grenzlinie des Kernhauses mehr gelb gefärbt. Sehr mürbe und saftig. Fein weinig, edelgewürzt. Starkes, herrliches Aroma.

Kernhaus: Groß, geräumig, ei- oder zwiebelförmig. Kerne groß, lang, scharf zugespitzt, hell- braun, meist unvollkommen entwickelt.

Kelchhöhle: Kegelförmig, tief.

Eigenschaften der Frucht.

Der Gravensteiner ist unbestritten die kostbarste aller deutschen Apfelsorten. Das zarte Wachsgelb der Schale mit den karmesinroten Tupfen und Strichen, das saftige, fein gewürzte, weinige, zart gelbe Fleisch, machen ihn, auch nach den Berichten unserer Mitarbeiter in allen Teilen Deutschlands zu einem der gesuchtesten und am höchsten bezahlten Handelsäpfel. Die Absatzfähigkeit des Gravensteiner, auch in Früchten zweiter Wahl, ist eine unbegrenzte, nicht zuletzt aus dem Grunde, weil deutschen Hausfrauen kein anderer Apfel nach Namen und Wert besser bekannt ist. Je näher den Küstenländern der Ostsee, seiner Heimat, ein um so köstlicheres Aroma erlangen seine Früchte. Er will Seeluft atmen. Die Sorte wirft verhältnismäßig viel un- reife Früchte ab, besonders, wenn der Baum auf sandigem, trockenem Boden steht. Auch dieses Fallobst entwickelt von Ende Juli an, zu Apfelmus verarbeitet, das dem Gravensteiner eigene Aroma. Anfangs September hat die Frucht ihre volle Ausbildung erreicht. Sie sollte dann