Druckschrift 
Topographia Hassiae, Et Regionum Vicinarum, Das ist: Beschreibung vnnd eygentliche Abbildung der vornehmsten Stätte vnd Plätze in Hessen, vnnd denen benachbarten Landschafften, als Buchen, Wetteraw, Westerwaldt, Löhngaw, Nassaw, Solms, Hanaw, Witgenstein, vnd andern / M. Z. [Ill.: Matthäus Merian]
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Hirſchfeld iſt vorhin eine feine anſehenliche wolerbawte Statt geweſen, jetzo aber, durchs Kriegsweſen ſehr verwuͤſtet, an dem Fluß Geyſe, welcher durch die Statt rinnt, vnnd darinnen etliche Muͤhlen treibt, her⸗ nach ſich vorm Petersthor in der Fulda bey der Brucken endiget. In dieſer Statt ligt zuforderſt dae Stifft, oder Fuͤrſtliche Re⸗ ſidentz, welches ein ſehr groſſes weitlaͤuffti⸗ ges Gebaͤw iſt, in 24 theil getheilet, ſo das hinder, vnd forder Stifft genennet werden. Das hinder Stifft ligt nahe an der Statt⸗ mawren, iſt mehrenthetls von Steinen auf die alte manter gebawet. Das vorder Stift ligt an der Statt, auff einem ſehr luſtigen Platz, da man ſchier in alle Straſſen ſehen kan, vnnd iſt von Holtz erbawet, hat doch zimbliche feine Gemaͤcher, vnd einen groſ⸗ ſen ſehr ſchoͤnen Luſtgarten. Vinb das Stifft vmbher ligen allerhand zur Fuͤrſtli

chen Hoffhaltung nothwendige und gehoͤ⸗ rige Gebaw. Zwiſchen den beyden Stiffts⸗ gebaͤwen nun, lugt die ſehr groſſe, hohe, vnd ins Creutz gebawte Stiffts⸗Kirche, darin⸗ nen vorermelte, Stemerne Seulen, wolzu ſehen. Dteſe Kirch, wie hoch Sie auch iſt, vnnd die Fenſter gar zu Oberſt hat, iſt Sie doch ſo helle, daß man nicht bald eine der⸗ gleichen finden wird. Vnd ſiehet man dar⸗ inn viel ſchoͤne Epitaphien, oder Grab⸗ ſchrifften, in Marmor, vnnd Alabaſter ge⸗ hawen, vnd hoch au den Saͤulen erhaben, davor die Aeöbte begraben liegen. Hinden beym Thurn, gegen dem Chor vber, hat es ein ſchoͤne hoch erhabene Orgel, von der man ins hohe Chor, vnd gantze Kirchen, ſe⸗ hen kan. Auff der Kirchen ſtehet eine groſſe verguͤlte Hand, zween Finger, als ſchwoͤ rend, auffrichtende, andeutend die ver⸗ ſchworne Trew, vnd Buͤndnuß, der Aebb⸗ te zu Hirſchfeld, mit dem Hauß Heſſen. Vor deStifft hat es ein hohes Steinernes zweyfaches Creutz, ſo eine Freyheit iſt vor die, ſo vnverſehens etwa einen Todſchlag begangen haben, vnd verfolget werden, daß Sie hierzu lauffen moͤgen, vnd wann Ste es ergreiffen, darff der Stattrichter Sie eher nicht angretffen, biß Sie zuforderſt genugſamb gehoͤrt, vnnd der Abbt in der Sachen erkant hat. Die Statt iſt beh⸗ der Fuͤrſten, Heſſen, vnnd Hirſchfeld, vnnd die Beampten, wie auch die Burger, iubeyder Herren Pflichten. An dem Ein⸗

in Heſſen vnd den benachbarten Landen.

die Pfarrkirche, dabey etn gantz von derſtucken auffgebaweter, vnd hernach iin Tachſpitz außgefuͤhrter ſehr hoher Thurm⸗

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kommen hat Heſſen ſeinen theil auch. Es hat in dieſer Statt einen ſchoͤnen viereck⸗ ten raumlichen Marcktplatz, mit ziembli⸗ ſchen Gebaͤwen vmbſetzt. Nahe heeran ligt Qua⸗

gleich dabey ein ſteinernes ſehr wol, vnnd zierlich erbawtes Rathhauß. Es hat an dieſem Orth auch ein ſtattliches Gymna⸗ lium vor die Jugend; dabey auch ein abſon⸗ derliche Kirche, wie auch bey dem Hoſpi⸗ tal. Die Statt hat vter Thor, vnnd vber⸗ all ſehr hohe Mawren, vnnd Thuͤrne: an theils Orthen ſein die Muawren doppelt, darzwiſchen ein ſtuck Walls, oder Waſo ſergraben ligt. Vor dem Petersthor, gehet ein ſchoͤne hohe ſteinerne Brucke v⸗ ber die Fulda, deßgleichen kaum einen hal⸗ ben Büchſenſchuß fuͤrters, eine gleichmäͤſ⸗ ſige Brucke vber die Haune, da denn bald hernach beyde Waſſer zuſammen flieſſen. Vmb die Statt her ligen etzliche alte Cloͤ⸗ ſter, vnnd Probſteyen, neben anderu luſti⸗ gen Gebaͤwen; als erſtlich das Cloſter Pe⸗ tersberg, vor dem Sulingswald, auff einem ziemblichen Huͤgel, in einem ſchoͤ⸗ nen Feld, jenſeit der Haune. Hernach der Johannis Berg, zwiſchen dem Fuldaͤ⸗ ſtrohmb, vnnd der Haune, ziemlich hoch, vor einem Gehoͤltze, darunder diſſelt der Fulda, an der Landſtraſſen, das ſchoͤne Schloß Eichen, welches mit ſchoͤnen Fuͤrſtlichen Gemaͤchern gezieret, vnnd mit etnein doppelten Waſſergraben wol verſe⸗ hen iſt, dabey es auch ſtattliche Teiche, vnd Fiſchereyen hat. Zwiſchen beyden Waſſe⸗ ren, auch vor dem Johannisberge, ligt der luſtige wolerbawte Hoff Bingartten, vnd naͤchſt an der Statt das alte zerfallene Cloͤ⸗

ſter Frawenberg, dabey noch viel alte

Gkabſchrifften zu ſehen, zumahln dabevor deß Orts ſonderliche: Heiligthumb gezeigt,

onnd dahin ſonderbahre Walfarten gehal⸗ ten worden.;

Dieſes Stifft hat ſonſt onderſchtedliche Aembter, als Aula, Geiſſa, Berck, vnnd Landeck, wiewol dieſe beyde zweyherriſch, vund das erſte halb Saͤchſiſch, vnnd das ander halb Heſſiſch iſt. Auch hat es noch 2. vornehme Probſteyen, als eine in Thü⸗ ringen bey Franckenhauſen, Gellingen ge⸗

nant; die ander in Heſſen, zwiſchen Hirſch⸗ M feld⸗