Druckschrift 
Topographia Hassiae, Et Regionum Vicinarum, Das ist: Beschreibung vnnd eygentliche Abbildung der vornehmsten Stätte vnd Plätze in Hessen, vnnd denen benachbarten Landschafften, als Buchen, Wetteraw, Westerwaldt, Löhngaw, Nassaw, Solms, Hanaw, Witgenstein, vnd andern / M. Z. [Ill.: Matthäus Merian]
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hlemit cedirt, eingeraumbt unnd uͤberlief⸗ fert haben, die Niedere Graffſchafft Ca⸗ tzenelenbogen, mit allen ihren Hoheiten, Rechten, Gerechtigkeiten, Paͤſſen, Ve⸗ ſtungen, Schloͤſſern, Staͤtten, Aemptern, Doͤrffern, Lehen, Pfandt, Mannſchaff⸗ ten, Hoͤfen, Guͤtern, Zehenden, Gefaͤllen, unnd in Summa mit allen Inn⸗und Zu⸗ gehoͤrungen, erſucht unnd unerſucht, ge⸗ naunt und unbenant, gantz unnd zumahl nichts, als allein den dritten Theil an dem Rhein⸗Zoll zu S. Goar, unnd Varts⸗ Pfenniag zu Poppaꝛt, was zum Rhein⸗ zollſchlieſſen von Alters gehoͤrig(wie hier⸗ unten gemeldet) außgenommen: Alſo daß zu ewigen Tagen, ſo lang die Faͤrſtliche Heſſen Darmſtaͤdtiſche Lini unerloſchen iſt/ Wir Landgraff Wilhelm, unſere Erben, Nachkommen, und unſere gantze Heſſen⸗ Caſſeliſche Lini, keine Auſprach oder For⸗ derung, unter gantz keinem Schein, wie der auch immer bewandt ſeyn moͤchte, an die Niedere Graffſchafft Catzenelenbogen, und an alle oder einige ihre Eineunnd Zugehoͤ⸗ rungen haben ſollen, ꝛc.

An. 1647. haben die Heſſen⸗Caſſeliſche unter ihrem General, Caſpar Cornelius von Mortaigni, erſtlich die obgemelte Catz, gegen Rheinfels uͤber, mit Bedingerobert; hernach Rheinfels ſelber belagert; da donn den 30. Junit, Alten Cal. dem gedachten von Mortaignl(der hiebevor der Cron Schweden gedienet) der lincke Fuß abge⸗ ſchoſſen worden; davon Er hernach den 8. 18. Julii geſtoꝛbenzals zuvor deiBeſimg Rheinfels, von Heſſen⸗Darmſtatt, gutwil⸗ lig abgetretten worden, und den 4.14. diß, die Darmſtaͤttiſche ausgezogen ſeyn: Es gehoͤren jetzt S. Goar, unnd Rheinfels, ſampt der Nieder⸗Graffſchafft Catzenelen⸗ bogen, Herrn Landgraff Ernſten, der Caſ⸗ ſeliſchen Lini.

Gewershauſen.

OSa Goarshauſen, unnd in der Ro⸗ tenburgiſchen Saals⸗Verzeichnuß Guarshauſen/ ligt gegen obgedachtem S. Gewer, oder Goar, uͤber, auch am U⸗ fer des Rheins, und uͤber ſolchem Staͤtt⸗ lein, auff einem hohen Felſen, das obged. Schloß Neu⸗Catzenelenbogen, welches von den Einwohnern die Catz genennet wird, uu Jahr 139;. erbauet worden

in Heſſen, vnd den benachbarten Landen.

iſt. Neben dieſem Hauß iſt der Rhein ſehr ſchmal und tieff; hat auch etliche gefaͤhrli⸗ che Wirbel; daher dafuͤr gehalten wird, daß er viel Waſſer daſelbſten verliehre. Uber dieſem Schloß, den Rhein auffwarts,ligt der Lorley, ein gaͤher löͤcherichter Felß/ o einen natuͤrlichen faſt ſtarcken Widerhall gibet; darbey die voruͤberreyſende mit Trompeten, Schieſſen und Ruffen, viel Kurtzweil uͤben.

Gieſſen. D zeſe Stadt ligt im Obern⸗Fuͤrſten⸗ thum Heſſen, 6. Meyl von Franckfurt, und 3. von Marpurg. Es ſaget Abraham Saur, in parvo Theatro Urbium, daß Gieſſen vor Zeiten ein kleines Dorff, De⸗ wungen genannt, geweſen, ſo in einem Sumpff gelegen: Und weil das Regen⸗ waſſer hauffenweiß dahin gefloſſen, ſo ſey es Gieſſen genant worden. Wann und zu welcher Zeit aber man eine Statt allhier er⸗ bauet, das iſt unbewuſt: Jedoch haͤlt man darfuͤr, daß ſchon zu S. Eliſabethaͤ Zeiten da eine Statt geweſt ſeye, weil Landgraff Otto im Jahr 1325. ihr Priollegien erthet⸗ let, daß die, ſo in den Vorſtaͤdten daſelbſt wohnen, eben ſolche Burgerliche Freyhei⸗ ten haben ſollen, als die, ſo in den Ring⸗ mauren wohnen. Darauserſcheinet, daß es ein feine verwahrte Stadt geweſen; wie dann auch aus den alten Gemaͤuren des Orths Gelegenheit abzunehmen; und hat ohn Zweiffel auch mit den Benachbarten Streit gehabt. Es wird von Trithemio gedacht einer Stadt 3u den Gieſſen⸗ welche von einem Ertzbiſchoff zu Maͤyntz eingenommen wordenzwie aus ihm referirt Sethus Calviſius in Chronol. cdit. tert- pag. 103 8. welches ſich auch befindet in An⸗ nalib. Auguſtæ Trevirorum Wilh. Kyri- andri part. 15. da er ſchreibt, daß A. 1327. (Calviſius ſetzt 1320.) Ertzbiſchoff Balduin. zu Trier, dem Ertzbiſchoff Matthiaͤ zu Maͤhntz Huͤlff gethan, die Stadt zu den Gieſſen zu erobern. Ob nundieſes Gieſſen in Heſſen, oder ein anders ſeye, kan man nit rathen, weil nicht da ſtehet, wo der Ort ge⸗ legen. Doͤrffte aber wol dieſer Ort geweſen ſeyn, welcher wegen ſeiner Situation hat koͤn⸗ nen Widerſtand gnugthun. Welches auch daher beſtaͤrckt wird, daß noch verſchiedene alte Brieffe gefunden werden, darinn die Statt Gieſſen zu den Giſſen genant wird. 2

Anno