14 Beſchreibung der vornehmſten Orth Alexanders, Hertzogen zu Schleßwig, und Holſtein, Herrn Sohn, Ehelich verſpro⸗ chen worden.
Was nun die angrentzende Landſchafften, und zwar die, deren Orthe Beſchreibung wir in dieſem Theil des Teutſchlandes einzubringen vorhabens ſeyn, anbelangt/ ſo grentzet erſtlich mit Heſſen das Laͤndlein
I. Buchen/ Buchonia, oder Fagonia, welches zwiſchen Thuͤringen, Francken, der Wetterau, und Heſſen gelegen. Iſt vor Zeiten ein lauter Buchenwald, und ein uner⸗ bautes Land geweſen; jetzund aber iſt der Wald ziemlich geleutert, und das Land mit Staͤdten,(darunter Fulda das Haupt iſt) Doͤrffern und Schloͤſſern, wol erbauet. Hat viel gute Fiſchreiche Waſſer/als fuͤrnehmlich die Fulda, die Huna, die Werra, und Olſter; viel kleine Baͤchlein, See, Bruͤnne/ Aecker/ Wieſen und Gaͤrten/ und einen geſchlachten Boden, faſt zu allerley Fruͤchten, ſo in Teutſchland zu wachſen pflegen, ausgenommen daßes keinen Weinwachs hat. Der Inwohner Nahrung beſtehet meh⸗ rentheils in dem Ackerbau, der Viehzucht, Wollen⸗und Leinen⸗Tuch⸗Kauff. Ihre Sprach iſt langſam, faul/ und mit Hoch⸗und Niederlaͤndiſchen teutſchen Woͤrtern ver⸗ miſchet. Chriſtophorus Brouuerus, in ſeinen Antiquitatibus Fuldenſibus, ſagt, daß Bu⸗ chen vor Alters Bocauna genannt worden ſeye, in deſſen Mitten das Grabfeld gele⸗ gen, deſſen Namens Urſprungs Muthmaſſung er am 6. Blat andeutet und vermeynt, es habe Buchen vor Zeiten zu Thuͤringen gehoͤret; Folgends aber haben es die Fran⸗ cken/ als Obſiger/ zu ſich gezogen, demſelben einen Namen/ und Geſetze geben/ die auch folgender Zeit in dieſem Laͤndlein gewohnet haben. Es iſt auch ein anders Laͤndlein, ſo Grapfeld genannt wird, und darin Eißfeld gelegen iſt; wiewol Theils es vermi⸗ ſchen. Alſo nennet man Koͤnigshofen im Grapfeld: Northeim im Grapfeld, oder Grabfeid. Das Fuldiſch Gebiet iſt ſo voll Cellen, daß wohin man ſich wendet, dieſes Wort bey der Doͤrffer und Flecken Namen, faſt zu finden iſt. Es haben aber der Ful⸗ denſer Vor⸗Eltern eine Cell genannt in welcher ſie Getreyd/ und andere Lebens⸗Noth⸗ durfft, zum Gebrauch beydes der Bruͤder, und der Gaͤſte hinterlegt hatten. Und wur⸗ den die jenige Muͤnch, ſo ſolchen Cellen, oder Provtant⸗Behalteren, vorgeſetzt waren/ die Proͤbſte genannt. Folgends ſeyn, aus Zulaſſung des Biſchoffs, die Cellen mit Kir⸗ chen gezieret, und der Heiligen Reliquien in dieſelbe gebracht worden. Es wird ein Theil des Laͤndleins Buchen auff dem Sande genannt/ wo die Schlöſſer Northeim, und Toſtorff ſeyn. Es iſt die Abtey groß, maͤchtig, und reich, auch wol manchem Biß⸗ thum zu vergleichen/ und hat viel anſehnliche Lehen hin und wider zu verleyhen. Hat einen feinen Adel, darunter die von Boyneburg, vor dieſem Beumelberg genannt, und die Goͤrtzen, der Abtey Marſchalcken, ſeyn.
II. Naſſau, vor Zeiten Naßgau/ Naſſgavia, und die Völcker, ſo ſolches Land be⸗ wohnet haben, Naſſgowii, jetzt Naſſavii genannt, welches Wort ein naß und feuchtes Erdreichbedeutet. Dann Naſſau(von deme unten) ſo dem Lande den Namen geben, liegt auff einem Huͤgel/ welches allenthalben naſſe Felder umgeben: Das Wöoͤrtlein Au, oder Gau) aber heiſſet bey den Teutſchen eine Landſchafft; als Batau des Bato⸗ nis Landt; Thur⸗gau ein duͤrres Landt; Rheyngau Rheinland; Briſ⸗gau/ gelob⸗ tes Land: Argau, geehrtes Land; Oſter⸗gau, und Weſter⸗gau ein, Oſt⸗und Weſt⸗ land; Heugau, Heuland; und ſo fortan. Eshat aber dieſe Graffſchafft Naſſau, als ein groß und weitlaͤuffiges auff beyden Seiten der Loͤhn gelegenes Land) etliche andere anhangende Graffſchafften, als Weilburg, Idtſtein, Wißbaden, Dillenberg, Beilſtein, Gleiberg, Sigen/ Hadamar/ ꝛc. Und ſeyn der Graffen von Naſſau Catzen⸗ elenbogen, oder Dillenberg,(darunder begrifſen, Beilſtein, Dillenberg, Sigen, Ha⸗ damar, und Dietz) Grentzen gegen Mittag die Graffſchafft Wißbaden, und Idtſtein; vom Morgen Weilburg, und Solms, ſampt Heſſen; gegen Mitternacht Weſtpha⸗ len, und die Graffſchafft Witgenſtein; und vom Abend das Hertzogthum Bergen, und die Graffſchafften Wied, Weſterburg, Trieriſche Orth, und Seyn. Haben viel Vogtheyen, die vom Petcro Bertio lib. 2. Comment, Rerum Germanic. gap⸗ 24.


