(25) M damals auf nichts anders als bey der Academie zu bleiben, allein der HErr hat es ganz anders mit ihm vor. Schon in dem Sommer, und ſon⸗ derlich gegen das Ende dieſes Jahrs wurde er befraget, ob er nicht geneigt ſeye eine Prediger⸗Stelle zu Caſſel anzunehmen. Der Selige bezeigte aber ſeine Abneigung dagegen, und war nicht geſonnen, die Academie zu verlaſſen. Endlich bekam er ein Schreiben von ſeinem nachherigen Herrn Collegen in Caſſel, worinnen ihn ſelbiger auf Erſuchen des Herrn
Geheimen Raths von Franckenberg, der zugleich der oberſte Vorſteher bey der Lutheriſchen Gemeinde in Caſſel war, fragte, ob er nicht einmal zu Caſ⸗ ſel predigen wollte, indem der Herr Pfarrer Doelle geſtorben, und alſo eine Stelle ledig ſehe. Auf Anrathen ſeiner Freunde und Goͤnner die ihm eine baldige Befoͤrderung auf der Academie verſprachen, ſchlug er ſolche Anerſuchung ab, weil er am Letzteren mehr Vergnuͤgen empfand. Allein, er wurde nochmalen befragt, ob er denn nicht eine Gaſt⸗Predigt halten wollte, die Reiſe⸗Koſten ſollten ihm erſetzet werden, und wuͤrde ihn gewiß nicht gereuen. Auch damals ſchlug er es auf Anrathen ſeiner Goͤnner aus, doch hatte unſer Seliger kaum den Brief auf die Poſt ge⸗ ſandt, ſo uͤberfiel ihn eine ſolche ungewoͤhnliche Angſt und Unruhe des Gemuͤths, daß er ſich nicht zu laſſen wuſte. Es kam ihm als eine unver⸗ antwortliche Sache vor, daß er nicht auf wiederholtes Verlangen dahin gehen, und eine Gaſt⸗Predigt halten wollte. Dieſe unruhige Gedancken ſetzten ihm dermaſſen zu, daß er auf die Poſt ſandte um den Brief wieder zuruͤck zu fordern, allein er war wircklich ſchon abgefertiget und konnte ihn nicht wieder erhalten. Dieſes vermehrte die Unruhe des Gemuͤths, wel⸗ che auch nicht eher geſtillet wurde, biß er ſich endlich entſchloß, hinzureiſen und die verlangte Gaſt⸗Predigt zu halten. Am 20. Sonntag nach Tri⸗ nitatis, hielt er uͤber das ordentliche Evangelium eine Predigt, welche mit ſolchem Beyfall aufgenommen wurde, daß er einmuͤthig von dem Kirchen⸗ Vorſteher⸗Collegio zum Prediger in Caſſel ernannt wurde. Einer ſolchen beſondern Lenckung GOttes, wo ſo deutliche Spuren der Vorſehung und Regierung obwalteten, konnte unſer ſeel. Herr Pr. Plitt nicht widerſtehen.
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