Druckschrift 
Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung / von Elsbeth Krukenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ANA- S XIV X 2

Frauenſtimmrecht.

Kirchliches, kommunales, politiſches Stimm⸗ recht der Frau. Schlußbetrachtungen.

Das Stimmrecht der Frau iſt der meiſtumſtrittenſte Punkt der von den Frauen aufgeſtellten Forderungen. Kuch Freunde der Frauenbewegung, die im übrigen den Beſtrebungen der Frauen weitherzig Förderung angedeihen laſſen, machen vor dieſem Punkte halt. Frauenſtimmrecht iſt ihnen unannehmbar. Und im Kreiſe der Anhängerinnen der Frauenbewegung ſelbſt vermeidet man noch vielfach mit einer gewiſſen Scheu das Wort Lrauenſtimmrecht. Man fürchtet alle mühſam errungenen Sumpathien einzubüßen, wenn man für politiſche Gleichbe⸗ rechtigung der Frau eintritt, ſie als ſelbſtverſtändliche Konſe⸗ quenz der von den Frauen erhobenen Forderungen anſieht. Oder vielmehr nicht als Konſequenz, ſondern als die einzige Grundlage, auf der ein den Frauenwünſchen entſprechender Fortſchritt wirklich dauernd und ſicher denkbar iſt. Solange die Frau kein Stimmrecht hat, iſt ſie abhängig von der Ein⸗ ſicht, dem Gerechtigkeitsgefühl des Mannes, das leider in vielen Fällen, ſobald es mit Eigenintereſſen in Konflikt kommt, verſagt.

Das ſoll kein Mißtrauensvotum gegen den Mann ſein. Sicher will die Mehrzahl der Männer den Frauen wohl. Als Gatte, als Dater, als Sohn und als Bruder iſt der Mann ja naturgemäß zum Schützer und Schirmer von Frauen und Frauenrechten berufen. Aber die Erfahrung zeigt, daß über die Intereſſen ſolcher, die nicht ſelbſt mitſtimmen, nicht ſelbſt für ſich eintreten können, allzuſchnell hinweggegangen zu werden