Druckschrift 
Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung / von Elsbeth Krukenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

101

keit, im Alter einen nicht an einen ganz beſtimmten Stiftsplatz gebundenen ſorgenloſen Lebensabend zu genießen.

Alle dieſe Momente wirken zuſammen, um die Scheu vor dem Pflegeberuf zu erklären. Dazu kommt, daß Rranke zu pflegen, an und für ſich ein ſchwerer, aufreibender Beruf iſt. Er verlangt entſagungsvolle hingabe wie wohl kaum ein anderer Beruf. Aber wenn er ſolche Hingabe verlangt, wenn eine Pflegerin wirklich angeſpannter als andere Frauen ar⸗ beiten muß, iſt es darum notwendig, ihr auch außerhalb des Berufs jede freie Selbſtregung zu verbieten, ihr ganzes Innen⸗ leben einzuſchnüren, ihr über alles und jedes Vorſchriften zu machen wie z. B. Derbot von Theater und Konzerten, Verbot, ohne Cracht die Freiſtunden zu verbringen und dergleichen mehr!

Die Erfahrung hat gelehrt, daß ſolches Sich⸗Anlehnen an die Gepflogenheiten geiſtlicher Orden, aus denen ſie ja heraus⸗ gewachſen ſind, nicht Lebensbedingung ſind für die weltlichen Schweſternverbände und daß auch einzelſtehende, frei pflegende Schweſtern treue Arbeiterinnen ſein können und ſo gut wie Angehörige anderer Berufsarten ihren halt nicht in äußeren Vorſchriften ſondern in ſich ſelbſt, in einer vertief⸗ ten Auffaſſung von pflicht und Berufsehre finden können.

Für freie Organiſation der Verbände, für Reformen inner⸗ halb derſelben trat Prof. SBimmer⸗Sehlendorf durch Be⸗ gründung des evangeliſchen Diakonievereins, Oberin Clemen⸗ tine von Wallmenich durch Einſetzung des Schweſternrates beim Münchener Roten Kreuz ein. Die plötzliche, in unver⸗ bindlichſten, ja geradezu verletzenden Formen erfolgte Ent⸗ laſſung dieſer um die Schweſternſache ſo verdienten, 25 Jahre lang im Dienſte des Roten Kreuzes, 10 Jahre lang als Oberin tätigen Frau, die ſchleunige Beſeitigung der von ihr zum