Druckschrift 
Die Frauenbewegung, ihre Ziele und ihre Bedeutung / von Elsbeth Krukenberg
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Schweſtern, obwohl dieſe in der Ehe wohl geborgenen Frauen dem ſchweren Kampfe der Unverſorgten, Alleinſtehenden faſt durchweg gleichgültig, ja feindlich gegenüberſtanden? Solchen Edelmut von den Frauen zu erwarten, wäre unbillig. Um⸗ ſomehr, als der Mann immer noch, trotz aller Fortſchritte der Frauen, für ſich ſelbſt am Beſten zu ſorgen geneigt iſt, der Frau immer noch ſoviel er nur kann gleiche Ausbildungs⸗ möglichkeiten verwehrt, ihr Schutzrechte verweigert, die er ſich ſelbſt, dem Starken als unentbehrlich zubilligt. Ich erinnere noch einmal an das Ueberwiegen der Fortbildungs⸗ und Fachſchulen, den höheren Lehranſtalten für Knaben. Ich erinnere an die Recht⸗ loſigkeit der berufstätigen Frauen im Vereinsrecht, an das Recht⸗ los⸗ u. Schutzlosmachen der im Handelsgewerbe ſtehenden Frauen (120 000!) in dem Geſetz über die Kaufmannsgerichte. Be⸗ denkt man das alles, ſo muß man zugeben: die berufs⸗ tätige Frau hat wahrlich keinen Grund, dankerfüllt, rückſichtsvoll dem Manne gegen⸗ über zu treten, ſeinetwegen auf irgend eine UArbeitsmöglichkeit zu verzichten.

Ein anderes aber iſt es, daß ſie es um ihrer ſelbſt willen tun muß. Gewiß verlangen Frau wie Mann nach Brot, nach geregeltem Einkommen. Kber darüber hinaus werden ſie ſoweit es die Verhältniſſe irgend geſtatten nach einem ſie voll befriedigenden Wirkungskreis ſuchen, in dem ein jeder von ihnen die grade ihm eigentümlichen An⸗ lagen entfalten und verwerten kann.

Nun gibt es verſchiedenſt beanlagte Männer und ebenſo verſchiedenſt beanlagte Frauen. Die Srau einfach als Sammel⸗ begriff zu nehmen, Eigenſchaften, die einige von ihnen be⸗ ſitzen, ohne weiteres allen zuzuſchreiben und ſie danach ein für allemal für dieſen oder jenen Beruf für tauglich oder un⸗