Luf ſeine Bitte erklärte ſich hHerr Abgeordneter Rickert, ſeit Jahren der wärmſte Vertreter aller Frauenbildungsbeſtrebungen, bereit, die Anſchauungen des Vereins im Landtage zu vertreten. Kuf eine Interpellation des Herrn Abgeordneten ſagte dann der Herr Kultusminiſter in entgegenkommendſter Weiſe erneute Prüfung der ganzen Frage zu.
So ſtand die Sache, als der Verein„Mädchengymnaſium“ im Herbſt v. J. ſeine 2. Eingabe an das Miniſterium ein⸗ reichte, wiederum um Ronzeſſionierung eines 9klaſſigen huma⸗ niſtiſchen Mädchengymnaſiums bittend. Aber auch dieſe Ein⸗ gabe wurde abſchlägig beſchieden. Wiederum wurde dem Verein anheimgeſtellt, Kurſe— im Gegenſatz zum Vorjahre diesmal nicht von 4jähriger, ſondern von 5jähriger Dauer— zu er⸗ öffnen.
Die Weigerung des Vereins, an die Einrichtung ſolcher Kurſe heranzugehen, iſt ihm vielfach als Einſichtsloſigkeit und hartnäckigkeit ausgelegt und übelgenommen worden. Die Weigerung erſcheint aber in einem ganz anderen Licht, ſobald man einen Erlaß berückſichtigt, den Nov. 1890 die Unterrichts⸗ verwaltung in Bezug auf die nach ihren Wünſchen eingerich⸗ teten Gymnaſialkurſe gegeben hat. Es heißt in dem Erlaß:
„Aus einem Berichte meines Fachreferenten über ſeinen Beſuch der dortigen ſtädtiſchen Gymnaſialkurſe für Mädchen habe ich erſehen, daß es bis jetzt noch nicht gelungen iſt, im Unterricht dieſer erwachſenen Mädchen die auf der höheren Mädchenſchule gewonnene und in der Aufnahmeprüfung nach⸗ gewieſene Bildung mit den Anforderungen gymnaſialen Un⸗ terrichts in Einklang zu ſetzen und ſo eine innere Derbindung beider Bildungsgänge herzuſtellen. Ich muß dies als einen
ſchwerwiegenden Mangel bezeichnen.“ dDder herr Kultusminiſter gibt nun Knweiſungen, wie die⸗
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