ſtrebungen ſchienen dagegen zurückzutreten. Helene Langes nun ſchon 16 Jahr altes Wort:„Und wenn wir auf alle anderen Rechte verzichten dürfen, auf das Recht freier Bildung dürfen wir es nicht. Denn auf ihm beruht die Sukunft. Es zu er⸗ kämpfen iſt unſere geſchichtliche Aufgabe“— entflammte damals alle Gemüter. So konnte es kommen, daß Kußenſtehende lange Jahre hindurch unter Frauenbewegung in erſter Linie die Sehn⸗ ſucht einiger, natürlich etwas„verdrehter“ Frauen, ſtudieren zu dürfen, verſtanden, das Beſtreben einer Reihe emanzipa⸗ tionsluſtiger Damen, gemeinſam mit dem Studenten im Hörſaal zu ſitzen, und womöglich in Couleur wie er, mit kurzgeſchorenen Haaren, mit langer pfeife oder mindeſtens Cigarette ſeine Kneipgewohnheiten nachzuahmen.
Den Ernſt und die Bedeutung dieſes Kampfes für die Frauenwelt ahnten nur wenige.
Eröffnung neuer Berufe, Vorbereitung dazu durch das Univerſitätsſtudium, das war zuerſt das Siel geweſen, das den Frauen bei dieſem Kampfe vorſchwebte. Swei Berufe waren es vornehmlich, die ſie für ſich in Anſpruch nehmen wollten: der ärztliche Beruf und der wiſſenſchaftliche Lehrberuf. Um Freigebung dieſer Berufe und der Vorbereitung dazu durch Eröffnung der Univerſitäten bat Ende der 80er Jahre der Allgemeine Deutſche Frauenverein in einer an
die Miniſterien der verſchiedenen Bundesſtaaten gerichteten Ein⸗
gabe. Radikaler als er forderte der 1888 von Frau Kettler gegründete Verein„Reform“¹):„Erſchließung aller auf wiſſen⸗ ſchaftlichen Studien beruhenden Berufe für das weibliche Ge⸗ ſchlecht, Zutritt zum Studium aller Wiſſenſchaften, nicht nur vereinzelter derſelben“.
Der Petition des Allgemeinen Deutſchen Frauenvereins
¹) Jetzt Frauenbildung— Frauenſtudium.


