— ſich in das Seelenleben des werdenden jungen Mädchens zu verſetzen. Er bietet unentbehrliche, wertvolle Ergänzung und niemals dachten die Frauen daran, auf die Mitarbeit des Mannes in der Mädchenſchule verzichten zu wollen. Aber wie im Hauſe bei der Erziehung der Töchter die Mutter— neben dem Dater— naturgemäß eine um ſo bedeutſamere Rolle ſpielt, je mehr die jungen Mädchen heranwachſen(vorausge⸗ ſetzt, daß es eine Mutter iſt, die Einfluß zu üben verſteht), ſo ſollte auch in der Schule das Wirken der Frau neben dem des Mannes ſeiner Bedeutung entſprechend eingeſchätzt wer⸗ den. Den Frauen nur den erzieheriſch unwirkſamen Unter⸗ richt, Sprachen und techniſche Fächer, nur den Elementarunter⸗ richt in den unteren Klaſſen zu überweiſen, iſt doppelt ver⸗ kehrt, da das ſogenannte Backfiſchalter dem Manne, beſonders dem jüngeren Lehrer, häufig genug geradezu unlösbare Er⸗ ziehungsprobleme bietet, Probleme, die nur die Frau, die einſt das gleiche Stadium durchlaufen, richtig zu erfaſſen und zu behandeln verſteht. Noch ſchwieriger iſt die Situation für den Lehrer, wenn, wie das häufig geſchieht, nicht darauf geachtet wird, daß Lehrer, die in höheren Klaſſen unterrichten, takt⸗ voll bleiben, daß ſie die Formen des geſellſchaftlichen Verkehrs beherrſchen. Nur ſolche, die die Mädchen nicht ver⸗ letzen durch ihr Benehmen, können erziehen, ſie allein können mit Erfolg unterrichten.
Aber eine große Schwierigkeit ſtellte ſich der Durchfüh⸗ rung der Forderung, den Fraueneinfluß in den Schulen zu vermehren, hemmend entgegen: nur Lehrerinnen, die den Lehr⸗ ſtoff beherrſchen, die ſelbſt ſichere, durchgebildete Perſönlichkeiten ſind, können den Unterricht in den oberen Klaſſen der höheren Mädchenſchule erteilen, ſie allein ſind im ſtande, dem wiſſen⸗ ſchaftlich gebildeten Lehrer gleichwertig zur Seite zu treten,


